K E I N E R E L I G I O N
27. Januar 1967 - Suan Usom Foundation,
(Aus
dem Thailändischen übersetzt von Bhikkhu Punno; überarbeitet von Santikaro
Bhikkhu.
Deutsche
Übersetzung: Kurt Jungbehrens, BGM 1999, München; überarbeitet von Viriya.)
Ich bin heute
nicht hierher gekommen, um eine formelle Ansprache oder Vorlesung zu halten,
sondern zu einem informellen Geplauder unter Freunden. Ich hoffe, dass ihr dem
alle zustimmt, damit wir miteinander reden und einander zuhören können, ohne
Formalitäten und Rituale, selbst wenn unser Gespräch hier etwas anders als
gewöhnlich gerät. Ferner gedenke ich nur über die wesentlichsten Dinge zu
sprechen, wichtige Themen, die für bedeutsam gehalten werden. Wenn ihr also
nicht sorgfältig zuhört, habt ihr womöglich Schwierigkeiten zu folgen oder
missversteht etwas, besonders jene unter euch, welche die vorhergehenden
Gespräche in dieser Serie nicht gehört haben. (Tatsächlich ist es auch für mich
schwierig, denn ich muss ja bei jedem neuen Gespräch eine Verbindung zu den
vorhergehenden aufrechterhalten.)
Das letzte
Gespräch hatte das Thema "Was ist zu tun um leer zu sein". Diesmal beabsichtige ich über "Keine
Religion" zu sprechen. Wenn ihr das Thema seltsam oder unbegreiflich
findet oder ihr nicht damit einverstanden seid, nehmt euch bitte die Zeit,
darüber nachzudenken. Aber denkt daran, es ist nicht notwendig, das, was ich
sage, gleich zu glauben oder ihm beizupflichten.
Wenn wir so
zusammen kommen, fühle ich, dass etwas uns daran hindert, einander zu
verstehen, und das ist ganz einfach das Problem der Sprache selbst. Da gibt es
nämlich zwei Arten der Sprache. Die eine ist die konventionelle Sprache, die
normale Menschen sprechen, ich nenne sie "Umgangssprache".
Die
Umgangssprache wird von Menschen benützt, die Dhamma nicht wirklich gut
verstehen und von jenen weltlichen Menschen, die so verkrustet sind, dass sie
für alles außer für materielle Dinge blind sind. Doch es gibt noch eine
Sprache, die von denen gesprochen wird, welche die Wirklichkeit (Dhamma)
verstehen, speziell von jenen, welche die Wirklichkeit in ihrem tiefsten Sinne
kennen und verstehen. Das ist eine andere Art Sprache. Wir nennen sie
"Dhamma-Sprache". Manchmal, wenn nur wenige Worte oder sogar nur
wenige Silben geäußert werden, findet der gewöhnliche Hörer die Dhamma-Sprache
paradox und völlig konträr zu der Sprache, die er spricht.
Menschen, die
für die tatsächliche Realität (Dhamma) blind sind, können nur die
Umgangssprache sprechen, die konventionelle Sprache der gewöhnlichen Leute.
Andererseits können Menschen, welche wirklich die letzte Wahrheit (Dhamma)
erkannt haben, beide Sprachen sprechen. Sie können die Umgangssprache recht gut
handhaben und sind zudem vertraut mit dem Gebrauch der Dhamma-Sprache, speziell
wenn sie im Kreise derer reden, welche Dhamma kennen und realisiert haben.
Unter denen mit tiefem Verständnis wird fast ausschließlich die Dhamma-Sprache
gesprochen; unglücklicherweise verstehen dann normale Menschen nicht ein Wort.
Dhamma-Sprache wird nur von denen verstanden, welche das rechte Wissen haben.
Was noch mehr ist, in der Dhamma-Sprache ist es nicht einmal nötig, einen Ton
von sich zu geben. Da wird beispielsweise mit einem Finger gedeutet oder eine
Augenbraue gehoben und die letztendliche Bedeutung der Realität ist verstanden.
Daher interessiert euch bitte für diese zwei Sprachen, die Umgangssprache und
die Dhamma-Sprache, und bemüht euch zu erkennen, welche Sprache gerade
gesprochen wird.
Um die
Bedeutung dieser Unterscheidung zu veranschaulichen, lasst uns folgendes
Beispiel betrachten. Gewöhnliche, unwissende, weltliche Menschen haben den
Eindruck, dass es diese und jene Religionen gibt, und dass diese Religionen so
grundverschieden sind, dass sie zueinander in Opposition stehen. Solche Leute
sprechen von "Christentum", "Islam",
"Buddhismus", "Hinduismus", "Sikhismus" und
dergleichen. Sie betrachten diese Religionen als unterschiedlich, getrennt und
unvereinbar. Diese Leute denken und sprechen gemäß ihren persönlichen Gefühlen
und lassen die Religionen so zu Feinden werden. Aufgrund dieser Mentalität
kommt es zu der Situation, daß sich verschiedene Religionen feindlich
gegenüberstehen.
Diejenigen,
welche zum Wesen der Religion durchgedrungen sind, werden alle Religionen als
gleichartig betrachten. Obwohl sie sagen mögen, es gibt Buddhismus, Judentum,
Taoismus, Islam oder was auch immer, werden sie auch sagen, dass alle
Religionen im Inneren gleich sind. Letztlich jedoch fühlen sie, dass die Sache,
genannt "Religion", gar nicht existiert. Da ist kein Buddhismus, da
ist kein Christentum, da ist kein Islam. Wie können sie also das Gleiche sein
oder sich in Konflikt befinden, wenn es sie in Wirklichkeit nicht mal gibt? Es
ist einfach nicht möglich. Daher ist die Aussage "es gibt keine
Religion", tatsächlich Dhamma-Sprache auf höchster Ebene. Ob sie
verstanden wird oder nicht, hängt ganz allein vom Hörer ab und hat nichts zu
tun mit der Wahrheit oder der Religion an sich.
Ich möchte
gerne ein einfaches Beispiel aus der materiell geprägten Umgangssprache
anführen: "Wasser". Menschen, die nicht viel Wissen über die
elementarsten Dinge besitzen, denken, dass es viele verschiedene Arten von
Wasser gibt. Sie betrachten diese verschiedenen Arten von Wasser, als hätten
sie nichts gemeinsam. Sie unterscheiden Regenwasser, Quellwasser, Grundwasser,
Kanalwasser, Sumpfwasser, Grabenwasser, Gossenwasser, Kloakenwasser,
Toilettenwasser, Urin, Durchfall und viele andere Arten von Wasser voneinander.
Sie werden aufgrund der äußeren Erscheinungsform behaupten, dass diese Wässer
völlig verschieden sind.
Jemand mit
etwas Kenntnis jedoch weiß, dass reines Wasser in jeder Art von Wasser zu
finden ist. Wenn wir Regenwasser nehmen und es destillieren, werden wir reines
Wasser erhalten. Wenn wir Flusswasser nehmen und es destillieren, werden wir
reines Wasser erhalten. Wenn wir Kanalwasser, Kloakenwasser oder
Toilettenwasser nehmen und es destillieren, werden wir auch dann noch reines
Wasser erhalten. Jemand mit diesem Verständnis weiß, dass all diese
verschiedenen Arten Wasser das Gleiche sind, soweit es den Wasser-Gehalt
betrifft. Was die Elemente angeht, welche es verunreinigen und anders aussehen
lassen, so sind diese nicht das Wasser selbst. Sie können sich mit dem Wasser
verbinden und das Wasser verändern, aber sie sind nie das Wasser selbst. Wenn
wir durch die verunreinigenden Elemente hindurchschauen, können wir das Wasser
sehen, das immer das Gleiche ist. Wie viele Arten von Wasser es scheinbar auch
geben mag, sind sie doch alle das Gleiche, soweit es die wesentliche Natur von
Wasser betrifft. Wenn wir die Dinge von diesem Standpunkt aus betrachten,
können wir sehen, dass alle Religionen das Gleiche sind. Wenn sie
unterschiedlich erscheinen, ist es so, weil wir Urteile aufgrund äußerer Formen
fällen.
Auf einer
noch intelligenteren Ebene können wir jenes reine Wasser nehmen und nochmals
weiter untersuchen. Wir kommen dann zu dem Schluss, dass da überhaupt kein
Wasser ist, sondern nur zwei Teile Wasserstoff und ein Teil Sauerstoff. Wasser
bleibt keines übrig. Die Substanz die wir "Wasser" genannt haben, ist
verschwunden, sie ist "leer". Dies trifft überall da zu wo wir diese
zwei Teile Wasserstoff und den einen Teil Sauerstoff finden. In der Luft, im
Boden oder wo auch immer diese Teile gefunden werden mögen, ist der Zustand
Wasser verschwunden und die Bezeichnung "Wasser" wird nicht mehr
angewendet. Für einen, der zu dieser Ebene der Wahrheit durchgedrungen ist,
gibt es so etwas wie Wasser nicht.
In gleicher
Weise erkennt einer, der die letzte Wahrheit erreicht hat, dass es so etwas wie
"Religion" nicht gibt. Es gibt lediglich eine gewisse Natur, die wir
nennen können, wie wir wollen. Wir können sie "Dhamma" nennen, wir
können sie "Wahrheit" nennen, wir können sie "Gott" nennen,
"Tao" oder was auch immer, aber wir sollten dieses "Dhamma"
oder diese "Wahrheit" nicht abgrenzen als Buddhismus, Christentum,
Taoismus, Judentum, Sikhismus, Zoroastrismus oder Islam, denn wir können sie
mit Etiketten und Begriffen weder einfangen noch einsperren. Dennoch werden
solche Einteilungen vorgenommen, weil die Menschen diese namenlose Wahrheit für
sich selbst noch nicht erkannt haben. Sie haben nur die äußeren Ebenen
erreicht, gerade so wie mit Kanalwasser, Dreckwasser usw.
Der Buddha
wollte, dass wir verstehen und sehen, dass es keine "Person" gibt,
keine eigenständigen Wesenheiten, sondern dass da nur dhammas oder natürliche Phänomene vorhanden sind. Wir sollten uns
daher auch nicht an den Glauben klammern, dass es diese und jene Religion gibt.
Wir haben die Etiketten "Buddhismus", "Islam" und
"Christentum" selber hinzugefügt, lange nachdem die Begründer lebten.
Keiner der großen religiösen Lehrer gab jemals seinen Lehren einen persönlichen
Namen, wie wir das heute tun. Sie lehrten uns lediglich, selbstlos zu leben.
Bitte
versucht, das richtig zu verstehen. Wenn die letzte Ebene erreicht ist, wenn
das Absolute erkannt wird, existiert nicht einmal mehr das Individuum. Da gibt
es nur noch die Natur, nur Dhamma. Diese Realität kann nicht als irgendeine
spezielle Sache angesehen werden; sie kann nichts anderes sein als Dhamma. Sie
kann nicht thai, chinesisch, indisch, arabisch oder europäisch sein. Sie kann
nicht schwarz, braun, gelb, rot oder weiß sein. Sie kann nicht östlich oder
westlich, südlich oder nördlich sein. Noch kann sie buddhistisch, christlich,
islamisch oder sonst was sein. Versucht also bitte, dieses Dhamma zu erreichen,
denn dann seid ihr im Herzen aller Religionen und aller Dinge angelangt und
erreicht schließlich das vollständige Ende des Leidens.
Obwohl wir
uns "Buddhisten" nennen und uns zum Buddhismus bekennen, haben wir
die Wahrheit des Buddhismus noch nicht erkannt, denn wir sind nur mit einem
winzigen Aspekt unseres eigenen Buddhismus bekannt. Seien wir Mönche, Nonnen,
Novizen, Laienanhänger oder was immer, so sind wir uns doch nur der Rinde, der
äußeren Hülle unserer Religion bewusst. Deshalb denken wir, unsere Religion
unterscheide sich von den anderen Religionen. Weil wir die Wahrheit unserer
eigenen Religion noch nicht erkannt und verstanden haben, schauen wir auf
andere Religionen herab und preisen nur unsere eigene. Wir betrachten uns
selbst als eine spezielle Gruppe und andere als Außenseiter oder Ausländer. Wir
glauben, dass sie irren und nur wir Recht haben, dass wir etwas Besonderes sind
und eine spezielle Berufung haben und dass nur wir die Wahrheit und den Weg zur
Erlösung besitzen. Wir haben viele dieser blinden Glaubensansichten. Solche
Ideen und Ansichten zeigen uns nur wie unwissend wir noch sind. Wir sind sehr
närrisch, genau wie kleine Babys, die nur ihren eigenen Bauch kennen. Sagt
einem kleinen Kind, es solle ein Bad nehmen und sich mit Seife waschen, um den
ganzen Schmutz wegzubekommen; das kleine Kind wird nur seinen Bauch schrubben.
Es versteht noch nicht, sich überall zu waschen. Es wird nicht daran denken,
sich hinter den Ohren, zwischen den Zehen oder irgendwo dergleichen zu waschen.
Es schrubbt und poliert lediglich seinen Bauch ganz kräftig.
In der
gleichen Weise wie das Kind kennen die meisten Anhänger des Buddhismus nur
einen kleinen Bereich, beispielsweise wie man etwas nimmt und wie man etwas
bekommt.
Während sie
Gutes tun, die Tempel und die Mönche unterstützen, und die Regeln beachten, ist
ihr einziges Ziel, etwas zu bekommen. Ja, sie möchten sogar mehr
zurückerhalten, als sie gegeben haben. Wenn sie Gaben darbieten, erwarten einige
Leute zehnmal so viel zurück, wie sie gegeben haben, einige einhundertmal,
einige eintausendmal und einige sogar noch mehr. In diesem Fall wäre es
richtiger zu sagen, dass diese Leute überhaupt nichts vom Buddhismus verstehen,
denn ihnen ist nur bekannt, wie man etwas bekommt und wie man nimmt. Das ist
aber überhaupt kein Buddhismus mehr. Das ist die Religion vom Bekommen und
Nehmen. Wenn sie jemals etwas nicht bekommen oder nicht nehmen können, sind sie
frustriert und leiden. Wirklicher Buddhismus aber ist das Wissen, wie man
bekommt, ohne zu bekommen, und nimmt, ohne zu nehmen, so dass es keinerlei
Frustration und Leid mehr gibt.
Darüber muss
sehr oft gesprochen werden, damit jeder mit dem Kern des Buddhismus vertraut
wird: Nicht-Anhaften. Im Buddhismus geht es darum, nach überhaupt nichts zu
fassen oder zu greifen, sich an überhaupt nichts anzuhängen, sich von nichts
fesseln zu lassen, nicht einmal von der Religion selbst, bis man schließlich
erkennt, dass es letztendlich auch keinen Buddhismus gibt. Das bedeutet, wenn
wir es direkt aussprechen, dass es gibt keinen Buddha, kein Dhamma und keinen
Sangha! Wenn wir jedoch auf diese Art sprechen, wird es keiner verstehen: Die
Gläubigen werden schockiert und erschreckt sein.
Diejenigen
aber, die verstehen, sehen, dass der Buddha, der Dhamma und der Sangha das
Gleiche sind: nur Dhamma oder nur Natur selbst. Der Zwang, zu ergreifen und
sich an dhammas als Personen und
Individuen zu hängen, existiert in ihnen nicht. Alles ist unpersönlich, das
heißt, es ist Dhamma oder Natur in ihrem reinsten Zustand oder wie immer wir es
nennen wollen. Wir wagen aber nicht, so zu denken. Wir fürchten uns zu denken,
dass es keine Religion gibt, dass da letztendlich kein Buddha, Dhamma oder
Sangha ist. Selbst wenn den Leuten dies gelehrt würde oder sie gezwungen
würden, auf diese Art zu denken, sie wären dennoch nicht fähig zu verstehen. In
der Tat würden sie ein völlig verzerrtes Verständnis bekommen und ihre Reaktion
wäre das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war.
Aus diesem Grund
erschienen nach dem Hinscheiden des Buddha viele neue Systeme religiöser
Praxis. Die Lehren wurden in abgestufter Form reorganisiert. Die leichter
zugänglichen Aspekte wurden hervorgehoben, so dass, selbst wenn jemand nur zu
spenden wünschte, um erheblichen Nutzen daraus zu ziehen, dem dutzendfachen,
hundertfachen oder tausendfachen seines tatsächlichen "Verdienstes"
entsprechend, er das tun konnte. Das war ein vorläufiges Arrangement, eine Art
Köder, um mit dem Lohn für gute Taten die Menschen anzuziehen und sie davon
abzuhalten, in die Irre zu gehen. Anfänglich werden die Menschen ermutigt, sich
so fest wie möglich an das Gute und seinen Lohn zu halten. Wenn sie das
fortgesetzt tun, werden sie schließlich entdecken, dass es unnötig ist, sich an
das Gute zu hängen oder ihm anzuhaften. Sie werden zu der Erkenntnis gelangen,
dass jegliches Anhaften unbefriedigend und schmerzlich ist. Auf diese Weise
werden sie sich allmählich von der Gewohnheit des Anhaftens freimachen. So
führt Dhamma durch aufeinander folgende höhere Ebenen. Deshalb stützt sich die
Dhamma-Praxis in ihrer Anfangsphase darauf, "Verdienste zu erwerben",
damit die Menschen schon zu Beginn etwas bekommen, was sie wirklich gerne haben
wollen.
Der nächste
Schritt auf dem Dhamma-Weg ist, sich freiwillig zu entscheiden, ein schlichtes
und einfaches, ein reines Leben zu führen, in welchem man sich nicht durch
irgendetwas in die Irre leiten oder berauschen lässt. Auf dieser Ebene gibt es
noch ein "Ich-Gefühl", welches sich an dieser Art Glückseligkeit
erfreut, aber es ist schon ein besseres, weiter entwickeltes "Ich".
Die
nächsthöhere Dhamma-Ebene ist es, keinerlei Spuren des "Ich" mehr
überbleiben zu lassen. Es hat aufgehört. Der Geist hat nicht länger das Gefühl,
ein "Ich" zu sein, ein "Selbst" zu sein, und es gibt keine
Möglichkeit, dass Leiden oder Unzufriedenheit auftreten können, da kein
"Ich" mehr vorhanden ist, um zu leiden. Leiden kann nicht auftreten,
weil diese Ichlosigkeit das "höchste Glück" ist, wie wir in der Umgangssprache
sagen. Wenn wir jedoch in der Dhamma-Sprache reden, gibt es nichts zu sagen. Da
ist nichts zu bekommen, nichts zu haben, nichts zu sein – keine Glückseligkeit,
kein Leiden, überhaupt nichts. Wir nennen das "Leerheit". Alles ist
noch vorhanden, aber es ist frei und "leer" von "Ich"- oder
"Mein"-Gefühlen. Aus diesem Grund sprechen wir von
"Leerheit" (suññatā).
Zu sehen,
dass alles leer ist, heißt zu sehen, dass die Dinge weder Teil, noch Besitz,
eines "Selbst" sind. Die Worte "leer" und
"Leerheit" bedeuten in der gewöhnlichen Sprache unwissender Leute,
dass nichts existiert. In der Sprache des Buddha, des Erwachten, aber bedeuten
die Worte "leer" und "Leerheit", alles existiert, jedoch
ohne Anhaften an irgendetwas als "Ich" oder "Mein". Dass es
kein Ergreifen oder Festhalten von Dingen gibt, so als wären sie
"Ich" oder "Mein", ist Leerheit von "Ich" und
Leerheit von "Mein". Wenn die Worte "leer" und
"Leerheit" auf diese Weise gebraucht werden, ist es die Leerheit der
Dhamma-Sprache. Das Wort "leer" in der Bedeutung zu benutzen, dass in
Wirklichkeit nichts existiert, ist die Sprache weltlicher Menschen, die in
ihren Sinnen gefangen sind; es ist die Sprache des Materialismus, die Sprache
von Haushältern, die nichts als die eigenen vier Wände kennen.
"Leerheit" stellt hier ein weiteres Beispiel des Unterschieds
zwischen der Umgangssprache und der Dhamma-Sprache dar.
Wir sollten
dieser Wahrheit über die Sprache immer gewärtig sein und unterscheiden, ob die
Worte, welche wir hören, lesen und gebrauchen, Umgangssprache oder Dhamma-Sprache
sind. Zum Beispiel sagte der Buddha: "Töte deinen Vater und deine Mutter,
dann wirst du Nibbāna erreichen", "Töte Vater und Mutter, sei ein
undankbares Kind, dann wirst du Nibbāna erreichen." Der Buddha meinte
nicht, dass wir das wörtlich nehmen und unsere leiblichen Eltern töten sollten.
Stattdessen meinte er, dass Unwissenheit eine Art Vater und Begehren eine Art
Mutter ist. Diese beiden gebären das Ego-Bewusstsein und nachfolgend alle
Formen von Selbstsucht und Sünde. Es gibt keinen Grund, ihnen gegenüber
Dankbarkeit zu empfinden; vernichte sie auf der Stelle und Nibbāna ist
verwirklicht.
In dieser
Weise zu sprechen, heißt die Dhamma-Sprache zu gebrauchen, welche der
gewöhnliche Mensch nicht verstehen kann. Er muss studieren und sich erkundigen,
nachdenken und überlegen, bis er schließlich versteht. Die Edlen aber, jene,
die Dhamma schon erkannt haben, werden sofort verstehen, obwohl nur wenige
Worte gesprochen werden, und zwar ohne Erklärung oder Rat. Ein bloßes Wort
genügt ihnen, um ohne weitere Erläuterung zu verstehen, weil sie die
Dhamma-Sprache gründlich kennen.
Die Worte
"Geburt" und "Tod" erfordern das gleiche
Unterscheidungsvermögen. In der Umgangssprache bedeutet das Wort
"Geburt" aus dem Schoß einer Mutter geboren zu werden. In der Dhamma-Sprache
jedoch bedeutet das Wort "Geburt", dass eine Form von Anhaften
geboren wird. Diese Art Geburt ereignet sich jedes Mal, wenn wir einen Gedanken
oder ein Gefühl aufsteigen lassen, dem Ergreifen und Festhalten von etwas als
"Ich" oder "Mein" beigemengt ist, so wie "Ich
bin", "Ich habe" und "Ich tue". Das ist die Geburt des
"Ich" oder des Ego.
Denkt man zum
Beispiel wie ein Krimineller, wird man im selben Augenblick als Krimineller
geboren. Wenige Momente später verschwinden diese Gedanken, man denkt wieder
wie ein normales menschliches Wesen und wird wieder als menschliches Wesen
geboren. Wenn man Augenblicke später närrische Gedanken hat, wird man
unmittelbar als Narr geboren. Wenn man dann auf eine zunehmend dumme und dumpfe
Art denkt, wird man sofort als Tier geboren. Immer wenn Leidenschaft intensiv
verspürt wird – wenn sie in einem mit Feuersglut brennt –, wird man als Dämon
in der Hölle geboren. Wann immer man so hungrig und so durstig ist, dass man
meint, niemals satt werden zu können, wird man als unersättlicher, hungriger
Geist geboren. Wenn einer ohne Grund übermäßig vorsichtig und ängstlich ist,
wird er als feiger Titan geboren.[1] So
kann man an einem einzigen Tag beliebig oft in vielen unterschiedlichen Formen
geboren werden, da jedes Mal eine Geburt erfolgt, wenn irgendeine Form des
Anhaftens an den Gedanken, etwas zu sein, aufsteigt. Jede Vorstellung von
"Ich bin", "Ich war" oder "Ich will" ist zugleich
eine Geburt. Das ist die Bedeutung von "Geburt" in der
Dhamma-Sprache. Daher muss man, wann auch immer man dem Wort "Geburt"
begegnet, sorgfältig darauf achten, seine Bedeutung in dem jeweiligen
Zusammenhang zu verstehen.
"Geburt
ist Leiden." Diese Worte bedeuten, dass die oben beschriebene egoistische
Art der Geburt immer schmerzvoll und von Übel ist. Das soll besagen, wenn wir
die Geburt des "Ich" auf irgendeine Weise zulassen, setzt unmittelbar
Leid ein. Wenn wir einfach und direkt im Bewusstsein von
"Nicht-Ich-Sein" leben, ist es wie ungeboren zu bleiben und niemals
Leid zu erfahren. Obwohl die körperliche Geburt lange zurückliegt, gibt es
keine weitere spirituelle Geburt des egoistischen "Ich".
Andererseits
entsteht sofort Leiden, sobald sich egoistisches Denken oder Fühlen aufkommt,
und dieses Leiden entspricht immer genau der speziellen Art des
"Ich", welches gerade geboren wird. Ist das "Ich"
menschlich, leidet es wie ein Mensch. Ist das "Ich" ein Engel, leidet
es nach Art der Engel. Ist das "Ich" dämonisch, leidet es höllisch.
Die Art des Ergreifens und Anhaftens kann sich wiederholt ändern, ebenso das
Geborenwerden als Tier, hungriger Geist und feiger Titan. An einem Tag kann es
viele Geburten geben, viele Dutzende von Geburten, und jede von ihnen ist
unbefriedigend, frustrierend und schmerzlich. Diese Art Geburt zu vernichten
ist Nibbāna.
Was den Tod
in der Version der Umgangssprache betrifft, so ist es nicht nötig, darüber zu
sprechen, was danach geschieht. Warum sollte man darüber reden, was geschieht,
wenn wir erst mal im Sarg liegen? Stattdessen setzt euch bitte mit der äußerst dringenden
Frage der Ego-Geburt auseinander. Das heißt, werdet nicht geboren und es wird
kein Leiden geben. Ohne das Gefühl des Geborenwerdens gibt es keine Person mehr
und alle Probleme verschwinden damit. Das ist alles. Wenn es dieses ständige
Geborenwerden nicht gibt, gibt es keinen "Jemand" mehr, um Probleme
zu haben. So einfach ist das. Die verbleibende Lebensspanne steht nicht mehr
zur Debatte, wenn wir erst einmal wissen, wie die Tatsache, dass dieses
"Ich" nie mehr geboren werden wird, zu erfahren ist. Dies kann
"Nicht-Geburt" genannt werden. Ihr könnt es aber auch "Tod"
nennen, wenn ihr das vorzieht.
Ihr seht
also, dass die Worte "Geburt" und Tod" in der Umgangssprache die
entgegengesetzte Bedeutung wie in der Dhamma-Sprache haben. Die gleiche Situation
existiert in den alten Schriften anderer Religionen, speziell denen des
Christentums. Als Ergebnis davon verstehen die Christen ihre eigene Bibel
nicht, gerade wie wir Buddhisten den Tipitaka (die alten Schriften der
Buddhisten) nicht verstehen. Wann immer daher Mitglieder der beiden Religionen
zusammentreffen, geraten sie ins Argumentieren, bis sie blau im Gesicht sind.
Diese Auseinandersetzungen sind einfach unglaublich; sie kämpfen bis ans Ende.
Lasst uns daher in dieser Angelegenheit der Umgangssprache und der
Dhamma-Sprache einiges an Verständnis entwickeln.
Wir haben das
Wort "Geburt" in einem buddhistischen Kontext diskutiert, lasst uns
nun ein Wort aus den christlichen Texten betrachten, nämlich "Leben".
Matthäus sagt, dass Jesus Christus "sein Leben gab zu einer Erlösung für
viele" (Matt. 20:28). An anderer Stelle sagte Jesus, "Willst du aber
zum Leben eingehen, so halte die Gebote" (Matt. 19:17). Diese beiden
Aussagen zeigen, dass das Wort "Leben" mehr als eine Bedeutung hat.
Im ersten Zitat wird "Leben" im Sinne der Umgangssprache benützt.
Jesus ließ zu, dass sie seinem Körper das Leben nahmen, hier "Leben"
in seiner gewöhnlichen Bedeutung. "Leben" im zweiten Zitat ist zwar
das gleiche Wort, bezieht sich jetzt aber auf ein Leben, das niemals getötet
werden kann. Es ist ein Leben, das den Tod nie kennen wird. Wir sehen dadurch,
dass sogar das einfache Wort "Leben" zwei sehr unterschiedliche
Bedeutungen haben kann.
Das Wort
"Sterben" liefert ein anderes Beispiel. In der Umgangssprache heißt
"Sterben", dass die körperlichen Funktionen geendet haben – das ist
die Art von Tod, die wir mit unseren Augen sehen können. "Sterben"
jedoch, in der Sprache, die Gott benützt, hat eine ganz andere Bedeutung. Als
er im Garten Eden zu Adam und Eva sprach und ihnen sagte, die Früchte eines
bestimmten Baumes nicht zu essen, "denn welches Tages du davon issest,
wirst du des Todes sterben" (Gen. 2:17). Adam und Eva aßen jene Frucht,
wir wissen aber, dass sie dabei nicht in der gewöhnlichen Bedeutung starben,
wobei die Leute im Sarg enden. Das heißt, ihre Körper starben nicht.
Stattdessen starben sie in anderer Hinsicht, im Sinne der Dhamma-Sprache, den
spirituellen Tod, viel schrecklicher, als im Sarg begraben zu sein. Dies
Schicksal, schlimmer als der Tod, war das Auftreten einer enormen Sünde in
ihrem Geist, das heißt, sie begannen in dualistischer Weise zu denken – gut und
böse, männlich und weiblich, nackt und bekleidet, Gatte und Gattin, und so
weiter. Das Übermaß an Gegensatzpaaren wurde sehr schwer zu ertragen, und ihr
Gemüt wurde von so argem Leid überflutet, dass es unmöglich zu beschreiben ist.
Die
Konsequenzen sind so unheilvoll gewesen, dass die Christen dem ersten Auftreten
von dualistischem Denken die Bezeichnung "Sündenfall" gaben. Diese
ursprüngliche Sünde geschah erstmals bei diesem ersten Paar und wurde dann an
alle Nachkommen weitergereicht, bis auf den heutigen Tag. Das ist es, was Gott
mit dem Wort "Tod" meinte; wann immer wir die Frucht des Dualismus
(vom "Baum der Erkenntnis von Gut und Böse") zu uns nehmen, müssen
wir an Ort und Stelle sterben. Das ist die Bedeutung von "Tod" in der
christlichen Sprache.
"Tod"
hat die gleiche Bedeutung in der Sprache des Buddha. Warum ist das so? Weil
beide Religionen bezüglich Anhaften und Dualismus auf die gleiche Wahrheit
hinweisen. Immer wenn dualistische Gedanken aufsteigen, ist Leid daran
gebunden, das heißt Tod. Tod bedeutet das Ende von allem Guten, das Ende von
Glückseligkeit, das Ende von Frieden, das Ende von allem, was der Mühe lohnt.
Dies ist die Bedeutung von "Tod" in der Dhamma-Sprache. Die meisten
von uns sterben auf diese Weise mehrmals am Tag.
Es wird
"Tod" genannt, weil es das Herz schwer macht. Es ruft, bis zu einem
gewissen Grad, immer ein Gefühl der Frustration und Depression hervor, von Sorge,
Unruhe und Angst ganz zu schweigen. Je intelligenter und klüger jemand ist,
desto öfter stirbt er und umso profunder sind seine Tode. Die Tode einer klugen
Person sind spezieller und kreativer als die einer unwissenden Person.
Wir sollten
wissen, wie der Tod zu vermeiden ist, um in Übereinstimmung mit den Lehren des
Buddha und Jesus (sowie der anderen Propheten) zu leben. Buddhismus und
Christentum haben das Gleiche zum Ziel: Lass nicht zu, dass dich die Ursünde
überwältigt, lass dein Herz oder deinen Geist nicht von dualistischem Anhaften
dominieren. Verweigere ihm die Beherrschung deines Geistes.
Wir müssen
uns immer der wahren Natur des Dhamma bewusst sein, dass es in Wirklichkeit
keine Dualität irgendeiner Art gibt – kein Gewinn, kein Verlust, keine Glückseligkeit,
kein Leid, kein Gutes, kein Schlechtes, kein Verdienst, keine Sünde, nicht
männlich, nicht weiblich. Es gibt absolut überhaupt nichts, das geteilt und zu
Gegensätzen polarisiert werden könnte. Statt sie uns zu Eigen zu machen,
sollten wir sie transzendieren.
Die
Gegensatzpaare sind die Grundlage für jegliches Anhaften, also fallt nicht auf
ihre Tricks herein. Hängt euch an keines von ihnen. Versucht zu verstehen, dass
diese Dinge niemals zu fassen und festzuhalten sind, weil sie unbeständig sind,
keine wirkliche Substanz haben und Nicht-Selbst sind. Versucht euren Geschäften
mit ungebundenem Geist nachzugehen. Arbeitet mit einem Geist, der an nichts
haftet und frei von allen Formen des Anhaftens ist. Das nennt man
"Arbeiten mit einem leeren Geist".
Wir sollten
Aufgaben jeglicher Art mit leerem Geist erledigen, sei es im Büro oder zu
Hause. Sogar Ruhe und Erholung sollten mit leerem Geist absolviert werden,
einem Geist, der immer ungebunden und frei bleibt, weil er über allen
Dualitäten steht. Wenn wir mit einem geschäftigen Geist arbeiten, einem Geist,
der ruhelos ist und ständig nach einem Ding oder einer Idee nach der anderen
greift und daran haftet, einem Geist, der mit Bindungen überladen ist, dann
gibt es Leid und wir müssen unvermeidlich in einen niedrigen Zustand geboren
werden. Die niedrigeren Daseins-bereiche, von welchen die traditionellen
Buddhisten sprechen, treten unverzüglich auf: Geburt als Dämon in der Hölle,
als Tier, als hungriger Geist oder als feiger Titan erfolgt augenblicklich.
Dies ist das ernsteste Problem, mit dem die Menschheit konfrontiert ist, es ist
die urtümlichste Sünde und es ist der Tod in der Dhamma-Sprache. Daher sollten
wir ohne Anhaftungen leben, arbeiten und spielen.
Es gibt einen
kurzen Vers von mir, den ich jetzt gerne besprechen möchte:
Tue Arbeit jeglicher Art mit einem Geist, der
in der Leerheit ruht,
Und bring der Leerheit alle Früchte dar;
Nimm die Nahrung der Leerheit in dich auf, wie
es die Heiligen tun,
Du wirst dir selbst gestorben sein von Anbeginn.
Manche Leute
sind unfähig, diesen Vers zu verstehen, und sie sagen immer, dass der Autor
verrückt ist. Eigentlich ist er aber gar nicht so schwer zu erklären:
Dass wir alle
Arten von Arbeit mit einem leeren Geist verrichten sollten, ist eine Warnung,
dass der geschäftige und aufgeregte Geist, der die Dinge begierig anspringt,
immer von Verblendung verdunkelt und umwölkt wird. Er ist voller Sorgen und
Ängste und wird düster und unsicher. Wenn Menschen darauf beharren, so
weiterzumachen, werden sie mit Sicherheit bald einen Nervenzusammenbruch oder
eine andere Art von Krankheit erleiden. Wenn sie eine Anhäufung dieser
geistigen Krankheiten und der entsprechenden körperlichen Beschwerden zulassen,
werden sie damit enden, ans Krankenbett gebunden zu sein. Auch intelligente,
talentierte und gut ausgebildete Leute, die wichtige Arbeit verrichten und eine
große Menge Geld verdienen, enden mit Nervenzusammenbrüchen, Magengeschwüren
und anderen Störungen, verursacht durch Unsicherheit und Angst. Alle diese Krankheiten
beginnen mit dem Gieren nach und dem Anklammern an solchen Dingen wie Ruhm und
Geld, Gewinn und Verlust, Glücklich- und Unglücklichsein und Lob und Tadel.
Also lasst
euch erst gar nicht auf diese Dinge ein. Befreit euch von solchen Anhaftungen
und der Geist wird leer sein. Der Geist wird brillant, intelligent und so klar
und scharf wie nur möglich sein. Dann tut eure Arbeit mit so einem leeren
Geist. Alle eure Bedürfnisse werden befriedigt werden, ohne das geringste
bisschen Frustration oder Leid. Manchmal wird Arbeit so zu einer Art
dhammischen Vergnügens. Das Beste dabei aber ist, daß diese Weise zu arbeiten,
die Art von Dhamma-Praxis ist, die uns von der falschen Unterscheidung zwischen
der Dhamma-Praxis im Tempel und der Arbeit zu Hause befreit. Eine solche
Aufteilung ist ziemlich töricht, aber das geschieht eben, wenn man nur in
Begriffen der Umgangssprache denkt.
Den
Begrifflichkeiten der Dhamma-Sprache zufolge sollten wir Dhamma in diesem
Körper und Geist zur gleichen Zeit praktizieren, in der wir mit eben diesem
Körper und Geist unsere Arbeit tun. Die Dhamma-Praxis ist da in der Arbeit; die
Arbeit an sich ist die Dhamma-Praxis. In anderen Worten, Arbeit zu tun, ohne zu
ergreifen oder anzuhaften, ist ein Weg, Dhamma zu praktizieren. Wo immer und
wann immer wir Nicht-Anhaften praktizieren, da und dann findet Dhamma-Praxis
statt.
Es ist also
egal, ob wir damit beschäftigt sind, den Geist zu üben, ohne Anhaften, und
ruhig zu sein oder ob wir arbeiten, um unseren Lebensunterhalt in dem einen
oder anderen Beruf zu verdienen, wenn wir es mit leerem Geist tun, in dem sich
kein Anhaften formt, ist genau das die Dhamm-Praxis. Es spielt keine Rolle, ob
wir uns in einem Büro, einer Fabrik, einer Höhle oder sonst wo befinden. So zu
arbeiten, ohne in Anhaftungen, Besessenheiten und Ego verwickelt zu werden, ist
das, was mit "Tue Arbeit jeglicher
Art mit einem Geist, der in der Leerheit ruht" gemeint ist.
So zu
arbeiten führt dazu, dass wir uns an der Arbeit erfreuen, dass die Arbeit gut
getan wird, weil unser Geist dann sehr klar und scharf ist, und dass Sorgen
über Dinge wie Geld, etc. nicht mehr aufkommen. Was wir benötigen, wird auf
rechtschaffene Weise erworben, ohne durch Ergreifen und Anstrengung
hervorgebrachtes Anhaften.
Das bringt
uns zur zweiten Zeile des Verses, welche lautet: "Und bringe der Leerheit alle Früchte dar".
Wenn unsere
Arbeit Früchte trägt in der Form von Geld, Ruhm, Einfluss, Status und so fort,
müssen wir alles an die Leerheit abgeben. Seid nicht so dumm, euch an diese
Dinge als "das gehört mir", "mein Geld", "mein
Erfolg", "mein Talent" oder "mein Irgendwas"
anzuklammern. Das ist es, was mit Nicht-Anhaften an die Ergebnisse unserer
Arbeit gemeint ist.
Die meisten
von uns klammern blindlings an ihren Erfolgen und so vermehren unsere Erfolgserlebnisse
unsere selbstsüchtigen Wünsche und Befleckungen (kilesa). Nur ein Moment der Unachtsamkeit reicht aus und Leid
befällt uns infolge des Gewichtes der Anhaftungen und Ängste. Wahrhaftig, diese
Art geistigen oder spirituellen Schmerzes ereignet sich ständig. Und schon
bald, wenn wir nicht vorsichtig sind, manifestiert sich der Schmerz auch
physisch im Körper. Manche Leute haben Nervenzusammenbrüche oder werden
wahnsinnig, während andere eine der zahlreichen Varianten von Neurosen
entwickeln, die heute in der Welt so verbreitet sind, obwohl sie berühmt,
gelehrt und wohlhabend sein mögen. All diese Pein rührt von der Tatsache her,
dass die Menschen in der ganzen Welt ihre eigenen Religion missverstanden,
missbraucht und ignoriert haben.
Wir sollten
nicht glauben, dass die Lehre vom Nicht-Anhaften nur im Buddhismus zu finden
ist. Tatsächlich kann sie in jeder Religion gefunden werden, obwohl viele Leute
sie nicht bemerken, weil sie in der Dhamma-Sprache ausgedrückt ist. Ihre
Bedeutung ist tiefgründig, schwierig einzusehen und wird gewöhnlich
missverstanden.
Bitte vergebt
mir wenn ich das sage, ich will nicht beleidigend sein, aber ich habe den
Eindruck, dass viele religiöse Menschen ihre eigene Religion noch nicht
verstehen. Zum Beispiel rät uns der heilige Paulus in der christlichen Bibel:
"Die da Weiber haben, dass sie seien, als hätten sie keine; und die da
weinen, als weineten sie nicht; und die sich freuen, als freueten sie sich
nicht; und die da kaufen, als besäßen sie es nicht; und die dieser Welt
brauchen, dass sie derselbigen nicht missbrauchen" (Cor. 7:29–31). Diese
Stelle ist im Neuen Testament der christlichen Bibel zu finden; jeder kann dort
nachsehen. Sie sollte genauso verstanden werden wie unser grundlegendes
buddhistisches Thema des Nicht-Anhaftens. Das heißt, wenn du eine Frau hast,
klammere dich nicht daran "sie zu haben", wenn du einen Gatten hast,
klammere dich nicht daran, "ihn zu haben". Wenn du betrübliche oder
schmerzvolle Erfahrungen gemacht hast, hafte nicht daran als "Ich" oder
"Mein" und es wird sein, als wäre es nie geschehen. Das heißt, sei
darüber nicht traurig. Hänge dich nicht an Freude, Güter und auch nicht an
weltliche Geschäfte.
Tatsache ist
jedoch, unglücklicherweise, dass die meisten Menschen, gleich welcher Religion
sie angehören, von diesen Dingen beherrscht werden. Sie bereiten sich selbst
unerträgliches Leid wegen solcher Angelegenheiten, bis sie schließlich verrückt
werden oder Selbstmord begehen. Aber diejenigen von uns, welche den Rat des
Paulus befolgen, können, was auch geschehen sein mag, weitermachen, so als wäre
nichts passiert. Leiden solcher Art stößt uns nicht zu, wir bleiben wohlauf.
Wir kaufen Dinge, ohne etwas nach Hause zu bringen, was heißt, dass wir uns
niemals an das klammern, was wir kaufen und heimtragen. Wir haben es gekauft,
wir haben es nach Hause gebracht, aber es ist, als hätten wir gar nichts
gekauft, weil wir den Gedanken, dass wir etwas besitzen, nicht entstehen
lassen.
Das ist es,
wie man kaufen und leben soll, so als besitze man keine Güter. Wenn man diese
Textstelle aber mit manchen Christen diskutierst, wird man bemerken, dass diese
sie überhaupt nicht verstehen. Selbst einige Geistliche, die Lehrer ihrer
Religion, konnten mir nicht korrekt erklären, wie in Übereinstimmung mit den Anweisungen
des Paulus zu handeln ist. Ihre Erklärungen waren vage und dunkel. Sie redeten
um den heißen Brei herum und gaben keine praktische Deutung dieser Stelle.
Tatsächlich hat dies aber die gleiche Bedeutung wie "Tue Arbeit jeglicher Art mit einem Geist, der in der Leerheit
ruht, und bring der Leerheit alle Früchte dar", was natürlich auch
viele Buddhisten nicht verstehen.
Die dritte
Zeile meines Verses lautet "Nimm die
Nahrung der Leerheit in dich auf, wie es die Heiligen tun".
Einige Leute
fragen da möglicherweise "Was essen wir denn dann?" Wenn alles leer
ist oder an die Leerheit gegeben wurde, was wird da zu essen sein? Die Antwort
darauf ist, Nahrung zu essen, die der Leerheit gehört, genauso wie die Edlen es
tun. Wir arbeiten mit leerem Geist und übergeben allen Lohn an die Leerheit.
Die Leerheit bevorratet alles und bewahrt es sicher auf. Wenn es Zeit ist zu
essen, können wir uns aus dem Vorrat der Leerheit auch speisen.
Wenn du eine
Million Dollar mit deiner Arbeit verdienst und sie in einem Safe oder in der
Bank bewahrst, bringe sie der Leerheit dar und denke nicht "Es ist mein,
es gehört mir"! Wenn du das Geld ausgibst, tue es mit dem gleichen leeren
Geist. Benütze das Geld einfach, um Nahrung zum Essen zu kaufen oder was immer
für deinen Bedarf benötigt wird. Das ist gemeint mit "Nimm die Nahrung der Leerheit in dich auf, wie es die Heiligen
tun".
In dieser
Zeile sind mit "die Heiligen" jene gemeint, die zutiefst verstehen
und frei von Anhaftungen sind. Wir selbst sollten in der gleichen Weise essen,
wie es diese Befreiten tun. Der Buddha nahm Nahrung zu sich und all die
erleuchteten Schüler aßen ebenfalls. Wir sagen also nicht, dass ein Buddha
keine Nahrung mehr essen muss, aber von wem auch immer er seine Speise erhält,
es ist immer die Nahrung der Leerheit, denn sie wird empfangen und gegessen
ohne jegliches Gefühl von Inbesitznahme oder Anhaften. Und dennoch hat ein
Buddha immer mehr als genug zu essen. Das ist der Sinn von "Nimm die Nahrung der Leerheit in dich auf, wie es die Heiligen
tun".
Wir können
das Gleiche tun. Wenn wir die gesamten Früchte unserer Arbeit der Leerheit
übergeben, verschwinden sie nicht. Nichts geht verloren. Physisch, weltlich
ausgedrückt, ist alles noch vorhanden. Es ist in der üblichen Weise aufbewahrt
und beschützt und das Gesetz erkennt es als unser Eigentum. Wenn jemand
versucht, es uns wegzunehmen, können wir darum kämpfen, unsere Rechte
gegebenenfalls bei Gericht wahren, aber immer mit dem selben leeren Geist. Das
heißt, wir brauchen nicht ärgerlich oder aufgeregt zu werden, wir brauchen
nicht zu leiden, wir brauchen uns nicht persönlich betroffen zu fühlen, wir
brauchen nicht daran zu haften. In der Tat werden wir, bei vollkommenem
Nicht-Anhaften, sogar besser in der Lage sein, unseren Fall zu vertreten. Wir müssen
uns nicht selbst zusätzliche Probleme schaffen und die Dinge werden nicht
verkompliziert und schwieriger, sondern wir werden in der Lage sein, unsere
Rechte äußerst wirkungsvoll zu schützen.
Um diesen
Punkt noch etwas weiter zu verfolgen: Sogar wenn wir in einem Streitgespräch
verfangen oder in einen Prozess verwickelt sind, sollten wir jederzeit
zurückhaltend und achtsam sein, so dass der Geist frei von Anhaften ist. Achtet
darauf, ohne Anhangen und gefühlsmäßig nicht involviert zu sein. In anderen Worten,
versichert euch erst, dass der Geist leer ist, dann argumentiert und kämpft den
Fall bis zum Ende aus. Auf diese Art werden wir im Vorteil sein. Unsere Seite
wird klüger debattieren, wird geschickter argumentieren und wird einen Sieg auf
einem höheren Niveau erfahren.
Selbst in
Fällen, wo wir gezwungen sind zu beleidigen, gebraucht die üblichen Worte, aber
tut das mit leerem Geist. Das klingt womöglich komisch und hoffnungslos
undurchführbar, aber es ist wirklich möglich. Das Wort "leer"
schließt so seltsame Aspekte ein; es sind alles Folgerungen des Arbeitens mit
leerem Geist, indem wir alles, was wir erhalten, bereitwillig an die Leerheit
geben und stets Nahrung aus der Speisekammer der Leerheit essen.
Die vierte,
abschließende und wichtigste Zeile des Verses lautet "Du wirst dir selbst gestorben sein von Anbeginn".
Wir sind uns
selbst bereits gestorben – das kostbare innere "Ich" ist weg – vom
allerersten Moment an. Das heißt, dass wir als Tatsache erkennen werden, wenn
wir die Vergangenheit erneut untersuchen und mit Klarheit, Achtsamkeit und
Weisheit darüber reflektieren, dass es nie eine "Person" oder ein
"Individuum" gab. Wir werden sehen, dass es nur die grundlegenden
Lebensprozesse (khandha) gibt, die
Sinnesgrundlagen (ayatana), die
Elemente (dhatu) - natürliche
Phänomene (dhammas). Sogar die Dinge,
an die wir uns vorher noch als existent klammerten, gibt es nicht mehr. Sie
starben in demselben Augenblick.
Alles ist im
Moment seiner Geburt bereits gestorben. Es gab nie ein "Ich", und es
gab nie ein "Mein". In der Vergangenheit waren wir dumm genug,
"Ich" und "Mein" ständig mit herumzuschleppen. Jetzt aber
kennen wir die Wahrheit, nämlich dass sie sogar rückblickend nie das waren,
wofür wir sie hielten. Sie sind "Nicht-Ich", sie sind "Nicht-Mein",
die ganze "Ich"- und "Mein"-Bezogenheit war tot von
Anbeginn an, bis zu diesem Moment. Sie hat aufgehört, auch für die Zukunft.
Fallt in euren Erfahrungen niemals mehr auf irgendein "Ich" oder
"Mein" herein. Hört einfach auf, in Begriffen von "Ich" und
"Mein" zu denken.
Ihr seht
also, dass wir die Bedeutung des Verses nicht so interpretieren müssen, dass
wir uns selbst physisch umzubringen haben. Man muss schon seinem Ego in die
Falle gegangen sein, um es so zu verstehen; eine derartige Auslegung ist aber
zu physisch, zu oberflächlich und zu kindisch.
Dieses
"Ich", dieses "Ego" ist nur eine geistige Vorstellung, ein
Gedankenprodukt. Es gibt nichts Substanzielles oder Dauerhaftes, worauf es sich
stützen könnte. Da ist nur ein sich ewig wandelnder Prozess, der gemäß von
Ursachen und Bedingungen dahinfließt, aber Unwissenheit missdeutet diesen
Prozess als eine dauerhafte Wesenheit, als ein "Selbst" und ein
"Ego". Also lasst keine anhaftenden "Ich" und
"Mein"-Gedanken und Gefühle entstehen, dann werden alle Schmerzen und
Probleme auf der Stelle enden, so dass der Körper-Geist-Prozess bedeutungslos
wird und keinen Anlass mehr zur Sorge gibt. Er ist bloß eine Ansammlung von
fünf Daseinsgruppen (khandha) und
funktioniert aufgrund von Ursachen und Bedingungen, seiner eigenen Natur nach
rein. Diese fünf Daseinsgruppen oder zusammengesetzte Lebensprozesse sind
natürlicherweise an sich frei von Anhaften und Selbstsucht. Was den inneren
Aspekt, die Angewohnheiten des Verlangens und der Selbstsucht betrifft, versucht
ohne sie auszukommen. Strebt beständig danach, ihr Entstehen zu verhindern, bis
die Befleckungen und die Selbstsucht keine Gelegenheit mehr haben, das Herz zu
verunreinigen. Auf diese Weise zwingen wir unser Selbst zu sterben, das heißt,
wir sterben durch das Ausschalten der beschmutzenden Selbstsucht und der
Befleckungen (kilesa).
Kein
egoistisches Bewusstsein zuzulassen, ist die Bedeutung von "Tod" in
der Dhamma-Sprache. Wenn nichts sich als "Ich" und "Mein"
gebärdet, wo kann Leid dann stattfinden? Leid kann nur einem "Ich"
und einem "Mein" zustoßen. Ihr seht nun, ein "Ich" und
"Mein" zu besitzen, ist der Urgrund des Leidens. Sollte es bisweilen
etwas Glück geben, sobald Anhaften dazukommt, wird das Glück schmerzvoll, nur
noch eine weitere Art zu leiden.
Unwissende
Menschen klammern sich immer an etwas; sie verstehen es nicht zu leben, ohne
sich an "Ich" und "Mein" festzuhalten. Das Ergebnis davon
ist, dass sogar angenehme Dinge zu Ursachen von Leid verwandelt werden. Glück
wird in Schmerz verwandelt; Güte wandelt sich in Pein; Lob, Ruhm, Ehre und
dergleichen werden alle in eine Form des Leidens verwandelt. Sobald wir
versuchen, sie zu ergreifen und uns daran zu hängen, werden sie alle
unbefriedigend, schmerzhaft und hässlich. Unter Gut und Böse, Tugend und Sünde,
Glücklich- und Unglücklichsein, Gewinn und Verlust und all den anderen
dualistischen Paaren tritt Leiden unvermeidlich auf, sobald wir uns an einen
der Pole des einen oder anderen Paares hängen. Sich an einen der Pole zu
klammern, nimmt uns auch für seinen entgegengesetzten Partner gefangen.
Wenn wir
intelligent genug sind, uns nicht an irgendeine Form des Dualismus anzuhängen,
dann werden wir wegen diesen Dingen nicht länger zu leiden haben. Gut und
Schlecht, Glück und Leid, Tugend und Sünde, und der Rest, werden uns nie wieder
Schmerzen bereiten. Wir erkennen, dass sie bloß natürliche Phänomene sind, das
gewöhnliche Material der Natur. Sie sind alle naturgemäß leer und daher ist in
keinem von ihnen Leid enthalten.
Das kommt
dabei heraus, wenn wir im Geist kein Ego mehr haben, kein "Ich" und
kein "Mein". Äußerlich können wir "Ich" und
"Mein" weiterhin gemäß den gesellschaftlichen Gepflogenheiten
verwenden, aber gebt ihnen in eurem Geist oder Herzen keine Existenzmöglichkeit.
Wie Paulus sagte: "Die da Weiber haben, dass sie seien, als hätten sie
keine; und die da weinen, als weineten sie nicht; ... und die da kaufen, als
besäßen sie nicht."
Äußerlich
sollten wir uns wie die anderen verhalten: Essen, wie sie essen, arbeiten, wie
sie arbeiten, und sprechen, wie sie sprechen. Sagt in ihrer Umgangssprache:
"Dies ist mein Haus, es gehört mir." Es ist nicht verkehrt, diese
Worte zu gebrauchen, wenn nötig, aber lasst euren Geist nicht darauf
hereinfallen. Lasst solche Worte draußen, gewährt ihnen im Geist keinen
Zutritt, glaubt ihnen nicht. Wir sollten uns immer darin üben, das heißt,
"Der Mund ist das eine, der Geist das andere". Der Mund sagt etwas,
aber das Herz weiß es besser.
Eigentlich
sind diese Worte gewöhnlich eine Beleidigung, um Lügner und Betrüger zu
verurteilen, also nichts Unterstützenswertes. Aber letztlich kann man es
umdrehen und auf jemand anwenden, der wirklich Dhamma praktiziert, das heißt,
dessen äußerliches Verhalten mit weltlichen Gepflogenheiten übereinstimmt,
dessen innere Wirklichkeit aber eine gänzlich andere Sache ist. Während das
äußerliche Gebaren tatsächlich abläuft, bleibt der Geist davon unberührt. Wir
nennen das "Der Mund ist das eine, der Geist das andere" oder
"Das Innere und das Äußere stimmen nicht überein". Ein Verhalten, das
wir gewöhnlich verurteilen und wegen seiner Unehrlichkeit und Unaufrichtigkeit
aufzugeben versuchen, wird zur vornehmsten und vortrefflichsten Handlungsweise
in der Dhamma-Sprache. Manchmal, da scheint Dhamma-Sprache schon ziemlich
seltsam zu sein!
Gewöhnliche
Menschen erwarten, dass unsere Worte und unsere Handlungen ehrlich unser Denken
widerspiegeln, geht es aber um die Dhamma-Sprache des Buddha, erscheinen unser
Verhalten auf eine Art, während das Innere die gegenteilige Haltung einnimmt.
Äußerlich können wir reden und tun wie alle anderen auch, wir können all die
Dinge besitzen die andere auch haben, aber im Geist besitzen wir nichts.
Innerlich sind wir pleite und bankrott, ohne einen Pfennig auf dem Konto. Also,
erinnert euch bitte an den Spruch – "Der Mund ist das eine, der Geist das
andere" – aber natürlich in seiner Bedeutung in der Dhamma-Sprache, nicht
so wie er in der Umgangssprache verstanden wird. Bitte denkt darüber nach.
Eine andere
gebräuchliche Lehre betrifft die Demut. Der Buddha lehrte uns nicht zu prahlen
oder anzugeben und Jesus Christus betonte diesen Punkt sogar noch mehr. In der
Bibel sind viele Seiten diesem Thema gewidmet. In der Bergpredigt lehrt uns
Jesus, unsere religiösen Praktiken – wie Beten, Gaben Spenden und Fasten – heimlich
zu vollziehen, um es andere nicht sehen zu lassen (Matt. 5–7, insbesondere 6).
Wenn es etwas ist, von dem wir wollen, dass andere es sehen, heißt das, wir
möchten damit angeben; das ist aber Anhaften. Wenn wir seine Lehre auf unsere
buddhistischen Praktiken anwenden, sei es beim Einhalten der besonderen Gebote
an den Tagen der Observanz (uposatha),
dann sollten wir uns nicht aufwändig kleiden oder pudern und parfümieren. Lasst
niemand wissen, dass wir die speziellen Gebote befolgen, haltet sie nur einfach
streng ein. Jesus betont diesen Punkt auf viele Weisen, sowohl in seinen
Predigten als auch anderswo. Wenn Gott Gebete dargebracht werden, beim Fasten
oder Entsagung üben, lasst es andere nicht sehen. Wenn wir Almosen geben
möchten oder für wohltätige Zwecke spenden wollen, lasst es uns heimlich tun;
andere sollen nicht wissen, wer der Spender ist. Jesus lehrt uns alles zu tun,
ohne dass irgendjemand davon weiß. In anderen Worten, sein Ziel ist
Nicht-Anhaften zu lehren. Derartige Praxis vernichtet Selbstsucht und
überwindet Sünde.
Gerade
Buddhisten sollten in der Lage sein, dieses Prinzip des Gebens, ohne es
irgendjemand wissen zu lassen, zu verstehen; diese Art des Gebens wird die
Selbstbezogenheit des Spenders stärker zerstören als ein öffentliches Geben.
Wie ihr wisst, sagen wir gerne "Den Rücken der Statue mit Gold
bepflastern". Dieser Spruch kann auf zwei Arten ausgelegt werden. Nach dem
Verständnis dummer Leute sollte man das niemals tun, weil Gold auf den Rücken
einer Statue zu kleben einem keine Ehre, Reputation oder andere Vorteile
einbringt.[2]
Andererseits heißen die Worte "Den Rücken der Statue mit Gold
bepflastern" für kluge Leute deshalb etwas Gutes, gerade weil dieses Tun
keine Beachtung, Lob, Status oder Ehre einbringt. Man hat den eigentlichen Wert
der Handlung nicht für einen weltlichen Vorteil eingetauscht. Auf diese Weise
erwirbt man höheren Verdienst, als wenn man das Gold auf der Vorderseite der
Statue anbringen würde.
Wir sehen
auch hier, dass die Lehren des Christentums und des Buddhismus die gleichen
sind; sie haben die gleiche Bedeutung, nämlich das Anhaften zu vernichten. Wir
sollten alle religiösen Pflichten und Praktiken vollziehen, ohne das Wissen
anderer. Letztlich ist es, als würden sie nicht mehr existieren und auch wir
nicht mehr. Da gibt es kein Gut, kein Böse, keine Tugend, keine Sünde,
keinerlei Glückseligkeit, kein Leid und schließlich nicht einmal irgendeine
Religion. Das ist die höchste Stufe von Religion.
Lasst uns nun
die Tatsache betrachten, dass Nicht-Anhaften, der höchste Dhamma, etwas
Wundervolles, Unbezahlbares und Außergewöhnliches ist. Es ist das Herz jeder
Religion. Es ist das Wesen des Dhamma. Wenn es einen Gott gibt, kann er nur
unmittelbar hier im Nicht-Anhaften gefunden werden.
Nicht-Anhaften,
der höchste Dhamma, ist deshalb so wunderbar, weil jeder, der ihn sucht,
überhaupt nichts investieren muss. Kein Geld, Gold oder Juwelen werden
benötigt, nicht ein einziger Pfennig. Nach der Logik der Umgangssprache kann
man nichts bekommen, ohne etwas zu investieren. Wer Verdienste, Güte oder was
immer gewinnen will, muss sie mit Geld, Silber und Gold bezahlen oder zumindest
Arbeit investieren.
Die Realität
auf der Dhamma-Ebene ist jedoch gänzlich anders. Der Buddha sagte, dass das
Nibbāna kostenlos zu haben ist. Nibbāna – die Kühle und der Frieden, welche man
erfährt, wenn es kein Anhaften mehr gibt – kostet keinen Pfennig. Das heißt,
dass auf dem Übungsweg der uns zu Nibbāna führt unterwegs kein Geld ausgeben
müssen.[3]
Jesus sagte
etwas, das die gleiche Bedeutung hat. Er lud uns ein, das Wasser des Lebens zu
trinken, das nichts kostet. Er sagte das mindestens drei Mal. Ferner rief er
uns dazu auf, in das ewige Leben einzutreten, das bedeutet, den Zustand zu
erreichen, wo wir eins mit Gott sind und deshalb nie mehr sterben werden.
"Und wen
dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens
umsonst" (Offenb. Joh. 22:17). Dieser Aufruf des Jesus ist identisch mit
dem, was im Buddhismus gelehrt wird. Der Buddha sagte, dass der Edle Pfad zur
Befreiung, die Früchte der Befreiung und Nibbāna umsonst sind; keine
finanziellen Aufwendung sind erforderlich. Wir leben dem Edlen Achtfachen Pfad
entsprechend, was bedeutet, wir geben dieses auf, wir geben jenes auf und
fahren damit fort, Dinge aufzugeben, bis alles aufgegeben ist. Gib alles auf
und nimm nichts zurück. Empfangt keinerlei Zahlung, dann werden wir auch nichts
zu bezahlen haben: Wir werden das erkennen, was "der Edle Pfad, die
Früchte der Befreiung und Nibbāna" genannt wird. Wir werden den Wohlgeschmack
des Nibbāna kosten, ohne einen Pfennig zu bezahlen.
Wir geben
eine Menge Geld aus, indem wir versuchen, Nibbāna zu kaufen, aber das Geld
erweist sich als Hindernis. Es ist, als würde man Geld investieren, um einen
Palast im Himmel zu gewinnen; die beiden haben nichts miteinander zu tun. Sie
sind tatsächlich inkompatibel. Wenn wir Almosen geben wollen, so sollte es
einzig für das Wohl anderer sein. Nibbāna ist unser wichtigstes Anliegen und
von Geld unabhängig.
Warum machen
wir dann Spenden (dāna)? Natürlich
nicht für uns, sondern um unseren Mitmenschen zu helfen, dass sie auch das
erreichen mögen, was eigentlich keines finanziellen Einsatzes bedarf. Wir
tragen also mit Geld dazu bei, Tempel und Schulen zu bauen, wir entwickeln
Lehrmethoden und wir veröffentlichen Bücher, um damit unseren Menschenbrüdern
zu helfen, auf dem rechten Pfad zu wandeln, zu jenem zu wandeln, das ohne
finanziellen Aufwand erreicht wird: Nibbāna. Jene unter uns, die beabsichtigen,
mit ihrem Gold und Silber Verdienste zu erwerben, sollten das bitte auf diese
Weise betrachten.
Wenn
diejenigen, welche beabsichtigen, ihr Geld in den so genannten himmlischen Lohn
zu investieren, es sich nicht nochmals überlegen, werden sie sich eher Verluste
zuziehen, anstatt Gewinne zu machen. Es wird ihnen nicht nur misslingen, Gewinn
zu machen, sie werden nicht mal in der Lage sein, ihre Investition wieder zu
erlangen. Und wenn es keinen Gewinn gibt und keinen Gleichstand, bleibt nur
Verlust übrig. So zu handeln läuft den Worten des Buddha zuwider, der sagte:
"Es ist umsonst." Auch Jesus hat das so gesagt.
Jesus sagte
auch "Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebet es auch" (Matt.
10:8). Es scheint, dass der Buddha nie ganz genau das Gleiche sagte, aber wir
können doch aus seiner Lehre folgern, dass er diese Worte leicht hätte sagen
können. Wenn etwas umsonst zu haben ist, sollten wir es auch umsonst
weitergeben. Seid nicht unwillig und zögert nicht. Nützt Menschen nicht aus,
indem ihr Gefälligkeiten verlangt oder durchblicken lasst, dass es zu ihrem Nutzen
sein wird, wenn sie einem in dieser oder jener Weise helfen würden, oder zu
verstehen gebt, dass Schüler eine Dankbarkeitsschuld gegenüber ihren Lehrern
haben. All das ist nicht angebracht. Wenn wir etwas umsonst bekommen, müssen
wir es auch umsonst abgeben. Daher, als das Erhabenste von allem, ist der
Dhamma jeder Religion etwas, das umsonst zu haben sein muss. Sobald wir ihn
bekommen haben, sind wir verpflichtet, ihn ebenfalls umsonst an unsere
Mitmenschen weiterzugeben. Versucht nicht, dafür irgendwelche Vergünstigungen
zu erschmeicheln.
Wenn wir zu
religiösen Anlässen Spenden geben, sind diese für einen bestimmten Zweck, was
keine Auswirkung darauf hat, ob wir Nibbāna verwirklichen. Solche Beiträge
sollen dazu dienen, Menschen, die den Weg noch nicht sehen, dabei zu helfen,
fähig zu werden, ihn zu finden und schließlich bei dem anzukommen, was für alle
umsonst zu haben ist. Am Ende werden auch sie ohne Hindernisse jene kostbare
Sache erhalten, die nichts kostet.
Wenn wir
sorgfältig hinsehen, sehen wir, dass das Höchste, das vortrefflichste aller
Dinge, die wir umsonst bekommen, "Nibbāna" genannt wird (aber auch
bei vielen anderen Namen). Jesus nannte es "Leben". Der Zustand, in
dem wir gegenwärtig existieren, ist der Tod. Weil alle sterben, erreichen sie
Gott nicht, erreichen das Allerhöchste nicht. Wenn wir jedoch den Lehren des
Jesus folgen, werden wir sofort wiedergeboren. Nachdem wir so lange im Sterben
begriffen waren, müssen wir wiedergeboren werden. Wenn wir neu geboren werden,
werden wir ins ewige Leben geboren, welches das wahre Leben ist. Der Buddha
sprach in der gleichen Weise. Er sagte, wir erkennen nicht, dass diese Existenz
wie Totsein ist, das heißt, dass sie Leiden ist. Wir müssen uns das
erforderliche Wissen aneignen, wir müssen in eine neue Welt hinein erwachen,
neu geboren werden. Dann wird es kein Leiden mehr geben. Das ist ein
grundlegendes Prinzip, das es zu verstehen gilt.
Bis zu dieser
Erkenntnis waren wir tot, das heißt voll von "Ich" und
"Mein". Ständig unter der Last des Ego und des Egoismus zu leben, ist
der Tod. Jetzt sind wir ins ewige Leben wiedergeboren, ins Nibbāna-Leben, das
todlose Leben, in die Unsterblichkeit, in der alles "Ich" und
"Mein" endet. Dies ist das wahre Leben, welches niemals sterben kann.
Die fünf Daseinsgruppen (khandha),
die grundlegenden Lebensprozesse, sind jetzt rein, Körper und Geist sind frei
von Anhaften und Selbstsucht. Zuvor wurden die fünf Gruppen, der
Körper-Geist-Prozess, durch "Ich" und "Mein" beständig
ergriffen und festgehalten und durch dieses verderbte Anhaften immer mehr
befleckt. Das war der Tod.
Wenn die
befleckenden Wünsche und Anhaftungen völlig abgetan sind, gibt es eine neue
Geburt in der Welt der Edlen oder wie Jesus sagen würde "das ewige Leben
im Königreich Gottes". Das sind Ausdrücke in der Umgangssprache. In der
Dhamma-Sprache sprechen wir von "erlöschen". Erlischt "Ich"
und "Mein", erlischt das Ego und die Selbstsucht. Nichts ist dann
mehr. Es bleibt nur allerhöchste Leerheit, das ist Nibbāna. Die eine Sprache
redet von "Wiedergeburt", während die andere von völligem
"Erlöschen" spricht. Aber nur die Worte sind verschieden.
Lasst uns
daher ein Leben des totalen Erlöschens leben, ein Leben, das die Flammen des
Begehrens löscht, ein Leben der Kühle. Wenn wir brennen, sterben wir. Eine
Person, die innerlich heiß ist, ist wie ein Dämon in der Hölle, ein Tier, ein
hungriger Geist oder ein feiger Titan. So eine Person stirbt ständig. Ihr
Anhaften an ein "Ich" wird nie gelöst. Das Ego wurde noch nicht
aufgelöst; es siedet und wallt in ihr mit Feuersglut. Es muss heruntergekühlt
werden.
Zum
leichteren Verständnis sei daran erinnert, dass das Wort "Nibbāna"
"abkühlen" bedeutet. Zur Zeit des Buddha war "nibbāna" ein gewöhnliches
Alltagswort, das in den Häusern, Straßen und Märkten gesprochen wurde. Wenn
etwas Heißes abgekühlt war, benützten sie das Wort "nibbāna", um dies zu beschreiben. War der Curry zu heiß, um
ihn zu essen, dann aber zum Essen genügend abgekühlt, pflegten sie zu sagen,
"Der Curry ist nibbāna, also
lasst uns essen".[4]
Wir können
sehen, dass das Wort "nibbāna" ursprünglich kein höherer religiöser
Begriff war, sondern eine gewöhnliche Alltagsverwendung in der Umgangssprache
hatte – das Abkühlen von etwas Heißem. Wenn, beispielsweise, eine rot glühende
Holzkohle so weit abkühlt, bis sie aufgenommen werden kann, können wir das
"nibbāna" nennen. Wenn wir
diese Bezeichnung auf höherer Ebene, zum Beispiel für Tiere, anwenden, dann
bezieht sie sich auf Tiere, die nicht mehr "heiß" sind. Die
"Hitze" bei Tieren sind ihre Wildheit und ihr Ungestüm, die für
Menschen gefährlich sind. Wenn ein wilder Elefant oder ein wilder Bulle gezähmt
und wohl trainiert ist, so dass letztlich seine Wildheit, sein Aufbegehren und
seine Bösartigkeit verschwinden und er für Menschen sicher wird, können wir
sagen, er ist "nibbāna",
womit "er ist abgekühlt" gemeint ist.
Wenn wir von
Menschen sprechen, bedeutet "heiß" eine Person, die brennt und
siedet, als wäre sie in der Hölle oder den anderen niederen Daseinsbereichen.
Das ist nicht Nibbāna. Nachdem wir erkannt haben, wie Dhamma anzuwenden ist, um
uns abzukühlen, beginnen wir zu kühlen, fahren fort zu kühlen, kühlen
beständig, kühlen, bis alles gründlich kühl ist, bis die absolute Kühle, die
höchste Ebene von Nibbāna erreicht ist.
Selbst jetzt
ist schon ein gewisses Maß an Nibbāna erforderlich, damit wir überhaupt in der
Lage sind, hier zu sitzen und Dhamma zu diskutieren. Anderenfalls, wenn die
Flammen jetzt in uns auflodern würden, wäre es uns unmöglich, hier ruhig sitzen
zu bleiben. Wir sollten daher verstehen, dass Nibbāna ohne Unterlass zu uns in
Beziehung steht, bei jedem Einatmen und Ausatmen. Wäre das nicht so, hätten wir
keinerlei Verbindung mit Nibbāna, würden wir alle verrückt werden und sterben,
bevor wir es gewahr wären. Glücklicherweise haben wir fast ständig eine
Beziehung zu Nibbāna. Sie mag zeitweilig verschwinden, wenn sich Lust, Hass
oder Verblendung erheben, wenn der Geist von Befleckungen und Selbstsucht
besetzt wird. Wenn aber Lust, Hass und Verblendung in unserem Geist nicht
gewärtig sind, erfahren wir ein kleines Maß an Nibbāna, eine kurze Kostprobe
oder ein kostenloses Muster von Nibbāna. Dank dieser wiederholten, flüchtigen
Blicke auf Nibbāna werden wir nicht verrückt und sterben nicht an Überhitzung.
Wir überleben dank der wohltätigen Wirkungen Nibbānas. Wir sollten also Nibbāna
danken und unsere Dankbarkeit erweisen, indem wir so handeln, dass uns immer
mehr Nibbāna für immer längere Zeitspannen zuteil wird. Beruhigt und kühlt die
Dinge ständig, das heißt, vernichtet "Ich" und "Mein".
Lasst nicht zu, dass das Ego seine Ohren spitzt und den Schwanz hebt. Haltet
das Ego klein und mit Selbstdisziplin und guter Lebensführung aus
Schwierigkeiten heraus. Verringert es, reduziert es, schrumpft es, bis nichts
übrig bleibt, dann erreicht ihr das Beste, was ein menschliches Wesen überhaupt
erreichen kann.
Immer wenn
wir streiten, aufgrund von Meinungsverschiedenheiten, aus Stolz, Eitelkeit oder
Eigensinn, zeigt sich, dass wir den Kontakt mit Nibbāna verloren haben. In
solchen Momenten sind wir verrückt. Wenn wir mit anderen zu irgendeiner Zeit
argumentieren, streiten oder uns einmischen – egal ob in einer gewöhnlichen
oder religiösen Angelegenheit –, sind wir geistesgestört. In solchen
Augenblicken sind wir nicht mehr wirklich menschlich, weil wir uns auf das
Niveau von Streit und Kampf herabbegeben haben. Und, wie schon vorher gesagt
wurde, werden die Leute, wenn sie in Narrheit beharren, denken, dass es viele
verschiedene Religionen gibt, die unvereinbar in Opposition zueinander stehen,
die Feinde sind, welche wetteifern, kämpfen und einander vernichten müssen. Das
sind die dümmsten und unwissendsten Leute. Sie verursachen und erfahren eine
große Menge an Kummer.
Wenn
Religionen als gegensätzlich und widersprüchlich betrachtet werden, ergibt sich
daraus, dass die Leute zu Feinden werden. Jeder denkt: "Wir haben Recht,
sie haben Unrecht; sie haben Unrecht, wir haben Recht" und so fort, und
dann gibt es Streit und Kampf. Solche Leute sind unglaublich dumm: Worüber sie
streiten, ist doch nur die äußere Schale. Jeder sollte erkennen, dass dies nur
äußerliche Formen sind, sie sind nicht die innere Essenz.
Wenn
intelligente und einsichtige Menschen um der wesentlichen Dinge der Religionen
willen zusammenkommen, erkennen sie, dass die Religionen alle gleich sind.
Obwohl sie äußerlich verschieden erscheinen mögen, wissen intelligente
Menschen, dass in allen Fällen der innere Geist der Gleiche sein muss. Die
innere Essenz ist die Gleiche, wie unterschiedlich die äußeren Formen auch
sind, so wie wir es mit der Analogie des Wassers gesehen haben. Die wesentliche
reine Natur des Wassers ist immer die Gleiche, ungeachtet wie faulig oder
schmutzig es auch von außen erscheint. Nicht das Wasser ist schmutzig, sondern
die anderen Elemente, welche ihm beigemischt wurden. Wir sollten diese anderen
Elemente nicht annehmen. Wenn wir diese Elemente annehmen, heißt das, wir
trinken schmutziges Wasser; heißt das, wir schlucken den Dreck, Urin,
Exkremente und dergleichen, aber trinken kein reines Wasser.
Immer wenn es
Streit gibt, sei es unter Laienanhängern, Novizen, Nonnen oder Mönchen,
bedeutet das, dass die betroffenen Leute Schmutz essen, sie beflecken sich
nämlich mit "Ich" und "Mein". Das sollte nie geschehen; man
sollte es aufgeben. Spitzt die Ohren nicht und hebt nicht den Schweif. Blast
euer Ego nicht auf und erschafft nicht diese auf Stolz fußenden Konflikte.
Damit lässt man die Dinge zu weit gehen. Eure Pflicht ist vielmehr, diese Dinge
zu befrieden und sie abzukühlen.
Wie dumm es
ist, dass, je älter eine Person wird, sie umso mehr mit Ego erfüllt wird. Ich
entschuldige mich für diese offene Rede, aber manche Fakten kann man nicht
ignorieren. Warum werden Menschen mit dem Alter egoistischer? Weil sie, je
älter sie werden, sich umso mehr an Anhaften gewöhnt haben; "Ich" und
"Mein" sammeln sich innen an und stapeln sich auf, indem wir altern.
Außerdem haben Leute Söhne und Töchter, also blasen sie sich mit Ego auf und
beschließen, über ihre Kinder zu herrschen. "Mein Sohn! Wie konnte er das
ohne meine Erlaubnis tun!" Wenn sie Enkel haben, werden sie sogar noch
aufgeblasener und überlegen. Daher sind ältere Leute von "Ich" und
"Mein" stärker besessen, als Kinder das sind.
Wenn wir
zurück in die Kindheit schauen, werden wir feststellen, dass Kinder nur sehr
wenig Ego haben. Unmittelbar nach der Geburt ist es sehr schwer, viel Ego in
ihnen zu finden, und das Kind im Mutterleib hat überhaupt kaum Spuren von
"Ich" oder "Mein". Wie wir jedoch ins Erwachsenenalter
kommen, Vater und Mutter werden, und später Großvater und Großmutter, dann
entwickeln sich "Ich" und "Mein" in einer Menge von Formen
und Persönlichkeiten. Sie werden tief in unserem Geist verwurzelt und haften
dort mit einer extremen Zähigkeit, so dass sie nur schwer zu entfernen sind.
Alte Leute sollten daher sehr sorgsam und wach sein. Sie sollten versuchen, zum
Kindsein zurückzukehren. Wie Kinder zu sein, ist eine Art Dhamma-Praxis, die zu
Nicht-Anhaften und Leerheit führt. Ansonsten, werden sie, je älter sie werden,
umso weiter vom Buddha und von Nibbāna entfernt enden.
Tatsächlich
sollten wir uns, indem wir älter werden, dem Buddha annähern. In anderen
Worten, je mehr wir altern, umso jünger sollten wir sein. Je älter wir werden,
umso jugendlicher sollten wir werden. Während wir altern, sollten wir
leichtherziger, fröhlicher, heiterer und frischer werden. Wir sollten nicht trocken
und leblos enden, so dass wir allmählich verschrumpeln. Jedermann sollte
zunehmend frisch, heiter und leichten Herzens werden, während er älter wird. Im
Altern sollten wir dem Buddha, dem Dhamma und dem Sangha näher kommen, was
bedeutet, dass wir Dhamma mehr und mehr verstehen. Je erfolgreicher wir dabei
sind, die inneren Flammen zum Zurückweichen zu bringen, umso kühler werden wir.
Indem wir kühl werden, fühlen wir uns zunehmend erfrischt und herzlich, wir
sehen heiterer und lebendiger aus. Wenn wir vollkommen abgekühlt sind, werden
wir geradezu glänzen vor Heiterkeit und Munterkeit. Daher sollten wir, je älter
wir werden, uns umso munterer und frischer fühlen und aussehen.
Die lebhafte
physische Tätigkeit und die frische Gesichtsfarbe junger Leute ist eine Art von
Jugend, während in der Dhamma-Sprache die Jugendlichkeit des Gemütes, des
Herzens und des Geistes gemeint ist und sich auf die spirituelle Heiterkeit,
Kraft und Ruhe bezieht, welche man mit zunehmender Dhamma-Nähe gewinnt. Das ist
die Jugendlichkeit der abnehmenden Hitze, die es ermöglicht, dass Kühle
eindringen und uns umfangen kann. Konsequenterweise fühlen wir uns zunehmend
erfrischt, beschwingt und munter. Lasst also alle älteren Leute frisch und voll
Leben werden. Mögen doch wir alle jugendlicher werden, bis unser Alter
verschwindet. Lasst nur die Jugendlichkeit in uns wachsen und das Problem des
Zankens und Streitens wird es nicht mehr geben.
Schlimmer
noch als zu streiten ist die Gewohnheit des "sich selbst preisen, während
man andere herabsetzt". Bösartiges Zurückkeifen und Schimpfnamen geben hat
unter Buddhisten keinen Platz und jeder, der solche Dinge tut, hat aufgehört
ein Buddhist zu sein, außer vielleicht dem Namen nach. Ein Buddhist nur dem
Namen nach zu sein, bedeutet gar nichts, darauf ist kein Verlass. Sich als
"Buddhist" zu bezeichnen, nur weil es auf der Geburtsurkunde
geschrieben steht oder weil sich jemand in der Liste eines bestimmten Tempels
eingetragen hat, nützt nicht viel, weil das nichts mit Ernsthaftigkeit zu tun
hat. Wir müssen echte Buddhisten sein im wahren Sinn des Wortes, und das
bedeutet, "Ich" und "Mein" zu schwächen und zu verringern,
um kühl zu werden und damit Nibbāna näher zu kommen. Wir brauchen also
Abscheulichkeiten, wie andere zu schmälern und zu unterdrücken oder sich zu
preisen und andere herabzusetzen, eigentlich gar nicht diskutieren. Diese Dinge
sollten einfach nicht passieren.
Was aber ist
zu tun mit jenen, die noch immer in solches Benehmen verfallen? Ich weiß nicht,
in welche Klasse ich sie stecken soll: Erste Klasse? Kindergarten?
Kinderkrippe? Die sind noch zu hoch; da sollte es noch eine niedrigere Klasse
oder Stufe für Leute, die sich in so unanständiger Weise benehmen, geben. Im
Buddhismus tun echte Nachfolger so etwas nicht. Selbst solche, die sich auf der
Kindergartenebene befinden und die erste Klasse der Grundschule noch nicht
erreicht haben, wissen es besser, als dass sie solche Dinge tun würden. Sie
wissen, dass solches Benehmen heiß ist und nichts mit Dhamma oder Buddhismus zu
tun hat.
Durch die
Oberschule fortschreitend, durch die Unter- und Oberstufe, gibt es immer
weniger Egoismus, bis schließlich kein "Ich" und "Mein"
mehr da ist. Auf der höchsten Ebene gibt es kein Selbst, alles ist leer von
Selbst. Da gibt es kein "Ich", kein "Du", kein
"Wir", kein "Ihr", das bedeutet auch keinen Buddhismus,
kein Christentum, keinen Islam und keine Religion. Wie können verschiedene
Religionen existieren, wenn es kein "Wir", kein "Sie", kein
"Irgendwer" gibt, wenn da nichts ist als Dhamma? Da ist nur die reine
Natur selbst (suddhidhamma pavattanti).
Natur ist alles, was da existiert – mit entweder aktiven Attributen oder
gestillten Attributen, abhängig davon, ob etwas bedingt ist und vergänglich
oder nicht bedingt und absolut. Die in den Oberstufen sind, verstehen das
schon. Jene, die im Kindergarten und in der Grundschule sind, sollten auch
davon wissen, so dass sie sich darauf vorbereiten können, diese höchste Stufe
zu erreichen.
Also verfangt
euch nicht in Neid und Eifersucht, in Beleidigungen und Lobpreisung, nicht
darin, andere zu belästigen und zu stören, nicht in Streit und Kampf, nicht
darin, sich selbst zu rühmen, während man andere herabsetzt. Solches Benehmen
ist wertlos. Es ist für diejenigen, die nicht mal auf der untersten Stufe zu
lernen verstehen. Es ist zu niedrig, um im Netzwerk der Buddhisten einen Platz
zu finden.
Wir alle
beginnen an einem Punkt, wo wir voller Anhaften sind, verringern dann beständig
das Anhaften, bis wir an überhaupt Nichts mehr anhaften, bis wir den Punkt
erreichen, wo alles Leerheit ist: Leer von "Ich" und leer von
"Mein". Versteht recht, dass im Grunde alles von Anfang an leer war.
Sei es physisch oder mental, schaut tief in seine wesentliche Natur und es wird
sich als leer erweisen. Da gibt es kein Anhaften mehr.
Was es auch
immer an Anhaften gibt, geschieht gerade jetzt. Ursprünglich gab es kein
Anhaften, gerade so wie alles Wasser ursprünglich rein und klar war. Während es
sich in den Wolken bildet, ist es rein, aber es nimmt feine Staubpartikel auf,
sobald es vom Himmel fällt. Wenn es erst mal auf Dächer fällt und sich in
Wasserkrügen sammelt, wird es noch weiter verschmutzt. Noch weiter verunreinigt
ist das Wasser in Quellen, Strömen, Teichen und Sümpfen. Und noch schlimmer ist
das modrige Wasser, welches man in Gräben, Kanälen und Toiletten findet. Indem
wir die äußerlichen Veränderungen betrachten, sollten wir erkennen, dass die
schmutzigen Elemente nicht das Wasser und nicht wesentlich sind.
Seht also
tief in eben diesen Körper und Geist, wenn sie in ihrem natürlichen Zustand
sind, wenn sie nicht verunreinigt sind durch beschmutzte Objekte. Der reine,
natürliche, nicht verunreinigte Körper-Geist ist das Objekt des Wissens und der
Erforschung. Prüft das "Ich", das Ego, seht, dass es einfach
schmutziges Zeug ist. Es vermischt sich mit dem Geist, verunreinigt und
beschmutzt ihn. Natürlich sind unser Körper und Geist in sich nicht dreckig, aber
aus Dummheit und Unachtsamkeit dringen die frisch gestalteten Unreinheiten ein.
Es sind diese unreinen Gäste, welche den Geist betreten und ihn beschmutzen.
Warum aber nehmen wir diese unreinen Spätankömmlinge als "Ich",
"Mir" oder "mein wahres Selbst" an. Sie sind einfach
Neuankömmlinge und an ihnen ist nichts Echtes. Sie sind nur Schmutz - ist es
nicht dumm, Schmutz für sein Selbst zu halten? So endet man ganz ohne Zweifel
mit einem schmutzigen Selbst, einem schmutzigen Ego.
Der Geist,
der wissensfähig und weise ist, der erwacht ist (Buddha), hält überhaupt nichts
für ein Selbst. Er hält keine schmutzigen Dinge für sein "Selbst". Er
hält keine Verunreinigungen für ein "Selbst". Wenn er schon ein
Selbst haben soll, dann müßte die Leerheit, die frei von Verunreinigungen ist,
dieses Selbst sein. Die Leerheit, die Freiheit von Verunreinigungen, haftet
oder klammert sich an gar nichts. Selbst wenn der Mund sagt "Ich bin"
oder "Ich habe", empfindet drinnen der Geist keinerlei Anhaften.
"Der Mund ist eines, der Geist ein anderes", zu allen Zeiten. Ich
hoffe, dass ihr das alle so praktizieren werdet.
Alles, was
ich heute gesagt habe, ist lediglich ein Geplauder unter Freunden. Wenn das
eine öffentliche Vorlesung oder formelle Predigt wäre, könnten wir die Dinge
nicht so sagen. Es könnte große Aufregung verursachen. Dies war jedoch nur ein
informelles Gespräch innerhalb unseres kleinen Freundeskreises, unter solchen,
die es verstehen sollten. Ich habe diese Dinge nur erwähnt, weil ich dachte,
dass die Leute hier in der Lage sind zu verstehen. Ich hoffe in der Tat, dass
jeder sorgfältig zugehört hat, auch folgen konnte und ernsthaft die Themen
überdenken wird. Wer die Wahrheit dieser Prinzipien sieht und ihnen zustimmt,
sollte versuchen, dem gemäß zu leben. Gar bald werden wir dann auf dem Pfad zur
Leerheit und der Freiheit von Leid zu einer höheren Ebene fortschreiten. Dann
können wir Arbeit aller Art mit leerem Geist tun und alle Früchte der Leerheit
übergeben. Wir werden in der Lage sein, die Nahrung der Leerheit zu essen. Und
so werden wir fähig sein, von Anbeginn an völlig zu sterben. Das ist das Ende.
Das ist das Ende, ein Buddhist zu sein, es ist das Ende aller Religionen. In
der Umgangssprache sagen sie: "Vergeude nicht die Gelegenheit, als Mensch
geboren worden und dem Buddha-Dhamma begegnet zu sein." Wenn wir jedoch in
Dhamma-Sprache reden, würden wir sagen müssen: "Es ist das Ende von allem.
Nichts bleibt über, das jemals wieder ein Problem machen könnte." So ein
Leben kann "ewiges Leben" genannt werden, denn da gibt es keine
Geburt mehr, kein Altern, keine Krankheit oder Tod.
Seid ihr
bereit, vor dem Tod zu sterben?
G L O S S A R
Anattā,
Nicht-Selbst, Selbstlosigkeit: Die Tatsache, dass allen Dingen jegliche
dauerhafte Essenz oder Substanz fehlt, die man eigentlich als
"Selbst" bezeichnen könnte.
Dukkha,
Schmerz, Verletzung, Leiden, Unbefriedigtheit: Wörtlich "schwer zu
ertragen"; die spannungsreiche Qualität aller Erfahrungen, die von
Verlangen, Anhaften und Ego begleitet werden. Dukkha gilt als universelles Charakteristikum aller Phänomene; da
die Dinge unbeständig sind, sind sie unzuverlässig und können uns nie zufrieden
stellen. Der naturgegebene Verfall und die Auflösung der Dinge ist dukkha.
Dhamma, Natur, Naturgesetze, Pflicht,
Wahrheit: Die natürliche Art der Dinge und wie wir leben müssen, damit die
Dinge (dhammas) uns nicht zum Problem
werden. "Dhamma-Praxis" heißt, uns zu trainieren, in Übereinstimmung
mit Dhamma zu leben.
Khandha,
Gruppen, Haufen, Aggregate: Die fünf grundlegenden Lebensprozesse oder Untersysteme,
die menschliches Leben ausmachen, nämlich, Körper, Gefühl, Wahrnehmung, Denken
und Bewusstsein.
Kilesa,
Befleckung, Verunreinigung, Unreinheit: Die verschiedenen Manifestationen der
Selbstsucht, die den Geist beflecken, zusammengefasst als Gier, Ärger und
Verblendung, ebenso einschließend Lust, Hass, Furcht, Schuld, Überdruss,
Aufregung, Eifersucht, Dummheit, Ignoranz und viele andere.
Nibbāna, Kühle: Das höchste Ziel
buddhistischer Praxis. Der kühle Frieden des Nibbāna manifestiert sich, wenn die
Feuer der Beschmutzung, Selbstsucht und des Leidens gründlich und endgültig
erloschen sind. "Nibbāna hier und jetzt" kann zeitweilig in unserem
täglichen Leben erfahren werden.
Der Edle Achtfache Pfad: Der mittlere
Lebensweg, der zu Nibbāna führt, nämlich rechte Ansicht, rechte Gesinnung,
rechte Rede, rechte Tat, rechter Lebenserwerb, rechte Anstrengung, rechte
Achtsamkeit und rechte Sammlung.
Die Edlen: Menschen, die alle oder nahezu alle
Anhaftungen und Beschmutzungen ausgerottet haben. Sie sind die Vorbilder
buddhistischen Lebens aufgrund ihrer Weisheit, Kühle, Ruhe und ihres
Mitgefühls.
Suññatā,
Leerheit: Die Realität, leer und frei zu sein von Selbstsucht, Ego oder
irgendetwas, das für "Ich" oder "Mein" gehalten werden
könnte (siehe anattā).
Upādāna,
Anhaften, Klammern, Ergreifen: Dummerweise an etwas festhalten, das heißt, es
als "Ich" oder "Mein" zu betrachten; Dinge persönlich
nehmen.
Ü B E R D E N A U T O R
Buddhadāsa
Bhikkhu, ein Sino-Thai-Mönch, war der wichtigste Deuter und Reformator
Thai-buddhistischen Denkens in diesem Jahrhundert. Seit er 1932 mit Suan Mokkh
"Den Garten der Befreiung", gründete, hat er ein innovatives,
einflussreiches und umfassendes Studium des Pali-Schrifttums im
Theravada-Buddhismus durchgeführt. Diese Studien waren der Unterbau für seine
Untersuchungen und Erforschungen von Leben und Natur, woraus sich ein sehr
gewichtiges Schriftenwerk entwickelte. Seine Gespräche, Vorlesungen und
Schriften, zusammen mit der klösterlichen Gemeinschaft, die er begründete,
haben viele dazu inspiriert, Buddhismus und Religion mit neuen Augen zu sehen. Sein Ziel war es, vollständiges Werk von
Bezugspunkten für gegenwärtige und künftige Forschung und die Dhamma-Praxis zu
schaffen.
Obwohl seine
formelle Schulung nur bis zur "secondary school" und anfänglichen
Pali-Studien führte, wurden ihm von Thai-Universitäten sieben Ehren-Doktorate
für seine Studien im Wald verliehen. Seine Bücher füllen einen Raum in der
National-Bibliothek und beeinflussen alle ernsthaften Thai-Denker, Buddhisten
und andere.
Fortschrittliche
Elemente in der Thai-Gesellschaft wurden durch seine Lehren und selbstloses
Vorbild inspiriert, angefangen mit Pridi Panomyong, Führer der Revolution von
1932, und dieser Einfluss wirkt bis heute weiter. Seit den 60er-Jahren haben
sich Aktive in Bereichen wie Erziehung, soziale Wohlfahrt, ländliche
Entwicklung und Interreligiöser Austausch auf seine Lehren und Ratschläge
bezogen.
Buddhadāsa
Bhikkhu hatte immer ein tief gehendes Interesse für andere Religionen und
schaffte sich viele Freunde unter diesen. Insbesondere war er im Gespräch mit
dem Christentum durch fremde Missionare und örtliche Christen, die erfreut
waren, einen buddhistischen Mönch zu finden, der nur danach strebte, zu
verstehen und mit ihrer Religion zu kooperieren, ohne auf sie herabzublicken.
Dieses Interesse war mehr praktischer als wissenschaftlicher Natur. Er
versuchte, gemeinsamen Boden zu finden, so dass alle religiösen Menschen sich
zum Wohle der Menschheit und des Friedens vereinen können. Dieses Buch
offenbart einige seiner Gedanken über Religion. (Siehe auch "Christianity
& Buddhism")
Das 60. Jubiläum von Suan Mokkh, der Gemeinschaft, die er gründete, fand am 27. Mai 1992 statt, aber der Ehrenwerte Ajahn Buddhadāsa war den Großteil des Vorjahres krank gewesen: Herzattacken, Schlaganfälle und die Altersl