Einmal Wat Tung und zurück
Aufzeichnungen einer außergewöhnlichen Reise
Am heutigen Tag wollen wir ab Mittag nach Suphanburi, der Provinzhauptstadt fahren.
Suphanburi liegt eine halbe Autostunde von Sam Chuk entfernt. Brigitte hat für uns alle
(Leifs Eltern, wir Beide, die Mönchssöhne und Brigitte) ein Auto gechartert, was uns
für 600 Baht hin und zurück sowie innerhalb Suphanburis zu allen
interessanten Plätzen bringt. Wir plazieren Leif und Johannes im Innenraum vorn
beim Fahrer, die übrigen nehmen auf den Bänken der luftigen Ladefläche Platz.
Noch ein bißchen Plätze tauschen,
denn Brigitte darf als Nonne nicht neben Bernd sitzen, dann heißt es gut festhalten.
Der Fahrer fährt, wie Brigitte meint, wie eine Wildsau und ist fast ständig auf der
rechten Überholspur. In Thailand herrscht Linksverkehr.
Unser erstes Ziel ist der sogenannte Turm von Suphanburi. Von der gläsernen
Kuppel in 130m Höhe genießt man eine herrlichen Rundblick. Es gibt auch
ein kleines Restaurant dort oben, wo wir etwas trinken. Hier oben ist es angenehm
klimatisiert. Unten sind es über 30 Grad in der Mittagshitze. Am Fuße des
Turms ist ein Park mit Goldfischteichen, Springbrunnen und weitläufigen
Grünanlagen angelegt. Die Büsche hat man sehr gekonnt geschnitten.
Etliche Tiere kann man erkennen; sogar King Kong ist dabei. Dieses Gartenensemble
war ein Geschenk der Stadt Suphanburi an die Königin Sirikit von Thailand zu ihrem
60. Geburtstag. Bevor wir weiterfahren, machen wir einen kurzen Abstecher zum Markt.
Wir müssen Früchte kosten, die wir noch nie gesehen haben, bestaunen
Eierberge, riechen frischen Fisch, sehen scharfe Currysoßen, die man nicht
kosten möchte. Wir setzen uns nur mal fürs Foto in ein Tuk Tuk, eines der
3-rädrigen Taxis, die in ganz Thailand umherfahren. Keiner der Fahrer versucht,
uns zu überreden, daß wir jetzt unbedingt eine Fahrt mit dem Tuk Tuk
machen sollen. Thais sind eben keine Araber. Sie verkaufen gern etwas, aber wer
nichts kauft, ist genauso gern gesehen. Wir kaufen Mangos und Rambuttan und einen
guten Ledergürtel für 5 Mark. Überall begegnet uns offene Herzlichkeit
und ein stets zustimmendes Lächeln, wenn wir fragen, ob wir dies oder jenes
fotografieren dürfen. Die Stände machen eine sauberen Eindruck . Alles
wäre noch schöner, wenn sich nicht auch durch die kleinste Marktgasse
Thais auf ihren Mopeds im Schrittempo durchquälen würden. Für die
Thais ist das Moped ein beliebtes Fortbewegungsmittel, manchmal sitzen ganze
Familien auf solch einem Gefährt oder Frauen im Damensitz wie früher
vornehme Damen auf einem Pferd. Wie sie sich halten können, ist mir
schleierhaft.
Unser nächstes Ziel und wie Brigitte meint, eine absolute Attraktion von Suphanburi
ist das Lotus Supercenter, ein riesiger Supermarkt mit allem, was man sich denken
kann. Es gibt wunderbar duftende frische Pfannkuchen, bei denen Bernd schwach wird.
Es gibt die gesamte Gemüsepalette, auch das was wir so kennen wie Brokkoli
oder Schoten. Es gibt sogar eine englische Zeitung. Leifs Mutter kauft europäische
Frühstücksutensilien wie Cornflakes, Jagdwurst und Käse. Wir kaufen
Äpfel und Möhren für Johannes, denn die gibt es im Wat nicht so
häufig. Die letzte Station auf der heutigen Tour ist eine Gärtnerei auf dem
Weg nach Sam Chuk. Leif will sich Pflanzen aussuchen, die er vor seiner Kuti
einpflanzen möchte. Als nach 20 Minuten die halbe Ladefläche mit
dutzenden Palmengewächsen, Grün- und Blühpflanzen kleinen und
größeren Stauden beladen ist, bezahlen Leifs Eltern dafür gerade mal
25 Mark. Als wir im Wat ankommen, ist es schon dunkel. Zeit zur Ruhe in der Kuti.
Am nächsten Tag soll ein Ganztagesausflug nach Ayutthaya, der alten Hauptstadt
von Thailand stattfinden.
7.1.2001 Ayutthaya- die alte Hauptstadt von Thailand
Wir wollen 8.00 Uhr starten, d.h. wir können an diesem Tag nicht an der Essensausgabe
vor dem Sala Gäo teilnehmen. Gegen halb acht hatte ich mich mit Frau K.
verabredet, um bei ihr ein paar Früchte zu essen, die sie noch vom Vortage hatte.
Zunächst aber klopft es gegen viertel 8 an meiner Hütte und Maria bringt mir
ein leckeres Frühstück, bestehend aus Knäckebrot belegt mit Butter,
Gurke und Tomaten, auch optisch wunderschön angeordnet. Man merkt, daß
Maria, bevor sie Nonne wurde, als Designerin gearbeitet hat. Einige Brote sind mit
Marmelade bestrichen und mit Bananenscheiben belegt, eine ungewöhnliche,
aber sehr schmackhafte Kombination. Brigitte bringt mir noch heißen Schwarztee
und ich genieße mein Frühstück auf meinem Stuhl hinter meiner
Hütte. Alles ist still und friedlich, nur ein paar tropische Vögel hört man
zwischen den Bananenstauden in hohen Tönen den herrlichen Morgen begrüßen.
Einige dieser Tierlaute, die ich im Verlauf der Woche höre, sind einfach nicht zu
identifizieren.
Abends ist mir schon öfter ein Geräusch aufgefallen, was beim
ersten Hinhören klingt, als würde sich jemand die Zähne putzen. Ich
dachte erst, es käme von einer meiner Nachbarinnen, aber als die normale
Zähneputzdauer lange überschritten war, konnte es nur ein Tier sein. Eine
Grille, ein Vogel, ich weiß es nicht. Aus Scheu vor Moskitos bin ich auch im
Dunkeln nicht mehr vor die Hütte gegangen, um das Geräusch vielleicht zu
identifizieren. In meiner Kuti sind mir bis auf eine Mücke, die ich mit Marias
Käscher fing, die ganze Woche keine Insekten begegnet. Ich habe
es den kleinen Eindringlingen natürlich auch schwer gemacht:
Durch das gute Vorfrühstück und die als Nachtisch verzehrten Früchte
bin ich für den langen Ausflugstag gut gerüstet. Dennoch werden wir sicher
vor 12.00 Uhr irgendwo zum Essen einkehren, denn nachmittags dürfen die
Mönche und Nonnen nichts mehr verzehren.
Vor der Tempeltour essen wir in einem Freiluftrestaurant. Das Restaurant liegt an einem
Fluß und wird an diesem schönen Sonntagmorgen auch von vielen
thailändischen Familien als Ausflugslokal genutzt. Aus den Lautsprechern tönt
Thai-Pop in erträglicher Lautstärke.
Die Mönche sitzen an einem separaten Tisch. Leif ißt ein komplettes Gericht
einschließlich Eisbecher. Johannes hat sein Mahl schon aus seinem
Kühlschrank im Tempel zu sich genommen und trinkt hier nur Wasser. Bernd trinkt
Singha-Bier; er kann deshalb nach strengen Mönchsregeln nicht mit Leif und
Johannes an einem Tisch sitzen. Brigitte sieht das nicht so eng.
Der erste große Freiluft-Buddha, den wir sehen, ist ein liegender Buddha in einer
ansonsten ziemlich zerstörten Tempelanlage. Gläubige bringen ihren
Respekt vor dieser Statue zum Ausdruck, indem sie Lotusblüten niederlegen,
Räucherstäbchen anzünden oder Goldblättchen auf den
Buddhakörper kleben. Brigitte hat auch für uns diese Utensilien gekauft und
ich versuche, das Gold auf dem Buddha anzukleben. Es ist nicht einfach. Am Ende ist
überall Goldstaub auf meinen Händen, der Buddha hat relativ wenig
abbekommen. Souvenirstände gibt es einige hier. Wir kaufen einen Buddhakopf
aus Bronze, den der Händler mit "antikem" roten Staub künstlich altern
ließ und uns einreden will, daß der Kopf aus den Tempelruinen stammt. Da
wir das sowieso nicht glauben, einigen wir uns auf die Hälfte des
ursprünglich genannten Preises.
Der nächste Tempel ist Wat Na Phra Meru. Ein wunderschöner Park umgibt
ihn, wo man z.B. einen Bodhibaum sehen kann, der auf einem Chedi angewachsen ist.
Chedis sind nach oben spitz zulaufende kleine oder auch sehr große
Tempeltürme aus meist rötlichem Gestein; sie erinnern ein wenig an Glocken.
Über die Bedeutung dieser Türme habe ich bisher wenig herausgefunden.
Wir betreten den Haupttempel. Hier sitzt ein sehr streng dreinblickender Buddha.
In einem weiteren kleineren Tempel, dem Viharn, finden wir einen 1500 Jahre alten
schwarzen Bronzebuddha.
Im großen Tempel läßt sich gerade ein junges Pärchen von einem
Mönch den Segen erteilen. Auch im kleinen Tempel hält ein Mönch
Audienz. Er spricht dabei hinter einem Schild, das auf einem Stock befestigt ist, den der
Mönch hochhält. Es sieht ähnlich wie beim Pfarrer im Beichtstuhl aus.
Vor dem Tempel sitzt eine alte Frau und verkauft lebende Vögel in kleinen
Holzkäfigen. Der Sinn des Handels ist, daß Gläubige diese Vögel
freilassen. Man ist sich sicher, da die Vögel ihre Freiheit nur kurze Zeit haben und
schnell wieder eingefangen werden, um erneut verkauft zu werden. Dennoch sponsert
Leifs Vater die Vögelbefreiungsaktion für Leif und verhilft ihm damit zu einer
guten Tat. Wir bekommen die Aktion nur mit, weil Leif wenig später mit dem leeren
Käfig im kleinen Tempel erscheint und sich den Segen des Mönchs dafür
holt.
Der nächste Tempel auf unserer Tour ist Wat Mahathat. Beim Lesen im
Reiseführer hatte ich Wat Mahathat gleich mehrfach gefunden, u.a. in Sukkhothai
oder weiter im Süden. Ursprünglich glaubte ich, daß jedes Wat seinen
eigenen Namen hat, der nur einmal vorkommt, aber bei rund 30.000 Tempeln in Thailand
sind Wiederholungen im Namen sicher nicht zu vermeiden. Am Eingangsweg von Wat
Mahathat empfängt uns ein großer Buddhakopf auf einer Mauer, der dem am
Morgen gekauften Bronzekopf stark ähnelt. Wir betreten die wohl beeindruckendste
Tempelanlage in Ayutthaya. Ein riesiges Areal mit unzähligen Chedis, manche so
schief wie der Turm von Pisa. Der Zahn der Zeit beginnt auch hier zu nagen und es ist
nur eine Frage von Jahrzehnten oder Jahrhunderten, wann diese Bauwerke zu Staub
zerfallen sein werden. Alte Bäume spenden in der Mittagsglut wohltuenden
Schatten. Ein Baum ist etwas ganz Besonderes und ein oft gesehenes Postkartenmotiv:
Ein steinerner Buddhakopf, völlig verwachsen und eingebettet in die Wurzeln eines
Bodhibaumes. Da der Kopf in relativ geringer Höhe des Baumstammes ist,
können nur Kinder in aufrechter Haltung ganz nah an den Buddha gehen, um nicht
"above the head of the Buddha" zu stehen.
Der nächste Tempel ist Wat Yai Chai Mongkon, ein wahrer Besuchermagnet. Im Park
wieder mal eine riesige liegende Buddhastatue. Beeindruckend hier ist allerdings noch
mehr der begehbare Riesenchedi mit Panoramarundblick auf den Garten, der eine
Unmenge von Buddhastatuen beherbergt. Hier im Park treffen wir auch auf viele
Mönche in neonorangen Roben, die sich von der eher senffarbenen Robenfarbe
unserer Mönche abhebt. Den Schluß unserer Tempeltour bildet ein Tempel,
der uns noch einmal ein bewunderndes "Wow" abnötigt. Schon die
Seitenräume des Tempels, die wir zuerst betreten, sind prächtig. Beim
Betreten des Haupttempels aber müssen wir unseren Kopf ganz weit nach oben
heben, um den goldenen Buddha ganz zu erfassen. Er ist nach unserer Schätzung
mehr als 10 m hoch und wird gerade "entkleidet", denn die Öffnungszeit ist gleich
zu Ende. Das ist eine weitere interessante Beobachtung, die wir machen. All die
Stoffdrapierungen um die Buddhafiguren werden offensichtlich täglich frisch
angelegt und abends abgewickelt. Bei dem Riesenbuddha sind es unzählige Lagen
orangen Stoffs, die mehrere Männer und Frauen, z. T. auf Leitern stehend, herunter
nehmen. Nur eine goldene Unterbekleidung bleibt zum Schluß unter all dem Stoff zu
sehen.
Auf der Rückfahrt fahren wir beim Lotus Supercenter vorbei, um noch Geld zu
tauschen. Da Sonntag ist, haben die Banken geschlossen. Bernds Eurocard weigert sich,
für die Geldtauschaktion zur Verfügung zu stehen, meine habe ich nicht
mitgenommen. Wir sind ratlos aber Brigitte in ihrem unerschütterlichen
Optimismus meint: "Never mind" oder wie die Thais sagen: "Mai Pen Rai". Es macht gar
nichts und eine Lösung ist auch gleich in Sicht. Um den Fahrer für heute zu
bezahlen, reicht unser Bargeld und Brigitte wird noch einmal ein Auto nach Suphanburi
zur Bank organisieren, sobald es klappt.
Ankunft in Ayutthaya.
Wir halten zunächst am Tourist Information Office und erhalten eine Karte, auf der
die wichtigsten Tempel verzeichnet sind. Am Ende dieses Tages werden wir soviele
Tempelruinen, komplette Tempel und Buddhastatuen gesehen haben, daß
wir beim letzten Tempel, den der Fahrer vorschlägt, geschlossen
streiken. Wir nehmen diesen letzten Tempel quasi als drive through - Tempel und reihen
uns von der Einfahrt gleich wieder in die Ausfahrtsspur ein. Der Name dieses Tempels
wird uns deshalb auf ewig unbekannt bleiben.
Bis wir allerdings an dem Punkt sind, gibt es viele beeindruckende Stätten zu sehen,
die von der ehemals prächtigen Hauptstadt Ayutthaya künden.
(Fortsetzung Reisebericht 3)


