SELBER KLARBLICK ÜBEN

 

Ein Leitfaden für Achtsamkeit

von

PHRA ACHARN THAWIE BALADHAMMO

 

(übersetzt von Christoph Bank)

 

Inhalt

 

VORWORT

EINFÜHRUNG

TEIL I

DIE ÜBUNG

Die vier Grundlagen der Achtsamkeit

Die fünf Anhäufungen

Sitzmeditation

Gehen und Stehen

Die weiteren Schritte

MEDITATIVE PHÄNOMENE (SABHAVA)

HINDERNISSE IN DER KLARBLICKÜBUNG

Hindernisse der Ungeübten

Die fünf geistigen Hindernisse

Hindernisse der mittleren Stufe

Hindernisse der entwickelten Stufe

AUSGLEICH DER FÄHIGKEITEN

Die fünf geistigen Fähigkeiten

JENSEITS VON EINTRÜBUNG UND HANDELN

Eintrübung, Handeln und Ergebnis

Der Achtfache Pfad im Klarblick

Für das Verlöschen des Verlangens üben

 

 

 

TEIL II

 

DIE ERGEBNISSE DER ÜBUNG

Die Reinheitsstufen und Klarblickschritte

DER VOBEREITENDE PFAD

Wissen von Geist und Körper

Wissen der Bedingtheit

Wissen des Begreifens

Wissen vom Entstehen und Vergehen

Verzerrungen des Klarblicks

Vier Arten der Selbstvergessenheit

DER KLARBLICKPFAD

Wissen der Auflösung

Wissen der Furcht

Wissen des Elends

Wissen des Überdrusses

Wissen des Verlangens nach Befreiung

Wissen der Großen Bemühung

Wissen des Gleichmuts vor Gebilden

Sechs Eigenschaften des Gleichmuts

DER ÜBERWELTLICHE PFAD

Klarblick, der zum Entrinnen führt

Wissen der Anpassung

Wechsel der Zugehörigkeit

Pfad, Frucht und Rückblick

Wiederkehr des Fruchtbewußtseins

Die Vorzüge des Klarblicks

Über den Autor

Durchschaue Dich Selbst

VORWORT

Die Gesellschaft ist heute ganz materialistisch geworden. Das Bedürfnis nach materiellen Gütern wächst und wächst. Und nie hört man das Wort “Genug!” Mächtige Begierden zwingen die Menschen, unablässig für die Befriedigung ihrer Wünsche zu arbeiten. So steht es in der heutigen Zeit um die Gesellschaft und den Einzelnen. Aufgrund dieser Entwicklung interessieren sich die Leute nicht mehr für ihr eigenes geistiges Wohl. Sie halten sich fern von den Lehren, die sie aus ihrer Hetze herausführen könnten.

Die Menschen sind heutzutage wie Vögel. Morgens verlassen sie ihr Nest, um Futter für den Tag zu suchen. Wenn der Abend naht, kehren sie müde und erschöpft nach Hause zurück. Morgens raus, abends zurück, so ist das Leben im Alltag – besonders für Leute, die in Hochhäusern ihr Nest haben, da liegt der Vergleich auf der Hand.

Aus solchen Gründen sind die Menschen geistig starr und angespannt. Das macht sie egoistisch und ihre Handlungen chaotisch. Sie geben jeder Laune nach, und es fehlt ihnen die Achtsamkeit, die sie davor bewahren würde, sich in Situationen zu bringen, die ansonsten unmöglich wären. Und es sieht nicht nach einer Besserung der Lage aus.

Gegenwärtig leiden immer mehr Menschen unter geistigen Störungen und Neurosen. Ob sie nun Akademiker oder Industrielle sind, Banker, Geschäftsleute, oder Politiker – egal welchen Beruf sie ausüben, alle sind mehr oder weniger nervenkrank. Man muß kein Neurologe sein, um zu ergründen, woran es liegt, daß mehr und mehr Menschen nervenkrank werden. Vor allem in den Großstädten ist es offenbar: Man ist kaum aufgewacht, da geht es schon los mit Anspannung und Hetze. Kinder wie Erwachsene, alle müssen loshetzen, um noch den Bus zu kriegen: Zur Schule, zur Arbeit, ins Geschäft, Frühstück kaufen, und was es sonst noch gibt. Wenn man dann unter Druck gerät, fehlt einem die Toleranz und man regt sich leicht auf. Kommt man schließlich an den Arbeitsplatz, muß man sich mit unfreundlichen Kollegen oder verheerenden Arbeitsbedingungen herumärgern. Davon wird man auch nicht ruhiger.

Wenn man dann abends nach Hause kommt, und da erwarten einen nur Familienprobleme, dann ist die neurotische Spannung schon bedenklich. Wie soll man in diesem Zustand schlafen? Man liegt wach und wälzt Probleme: Arbeit, Geld und all die tausend Dinge, die einem auf dem Herzen liegen. Geist, Nerven und Gehirn wollen sich auf natürliche Weise regenerieren, müssen aber weiter arbeiten. Genau das sind doch die Probleme, die uns tagaus, tagein nur neurotischer machen.

Da dürfte ein Handbuch für Vipassana von Nutzen sein für diejenigen, die keine Gelegenheit haben, in ein Meditationszentrum zu gehen, wo sie bei einem Lehrer üben könnten. Oder auch für diejenigen, die zu viele Verpflichtungen haben und nicht von zu Hause weg können.

Sie können dieses Buch als Handbuch für die Übung benutzen, indem Sie mit zehn, zwanzig oder dreißig Minuten als Übungszeit beginnen. Üben Sie abwechselnd im Sitzen und im Gehen, und setzen Sie die Übung fort, solange Sie sich dafür aussehen.

Zwingen Sie sich nicht zu sehr. Tun Sie es vertrauensvoll, mit freudigem Geist. Entspannen Sie sich, sodaß die geistige Starre und Verkrampfung von Ihnen abfällt und der Geist friedlich und ruhig wird.

Aus dieser Ruhe entsteht inneres Glück. Dann werden Sie selber verstehen, wie man die vielfältigen Alltagsprobleme ablegen kann. Sie werden gesund werden an Leib und Seele und die Kraft finden, die Alltagsprobleme zu bewältigen, egal ob es sich um geschäftliche Dinge handelt, oder um die chaotischen globalen Verhältnisse, die aus der Zerstörung der Umwelt entstehen. Fortschritt im Leben des Einzelnen und gesellschaftlicher Aufschwung wird das Ergebnis sein.

August 2527 / 1984

Acharn Thawie Baladhammo

SORN THAWEE MEDITATION CENTER

Bangkhla / Chachoengsao/THAILAND

EINFÜHRUNG

F: Meditation heißt in Pali kammatthana. Was bedeutet dieses Wort kammatthana eigentlich?

A: Das Wort kamma bedeutet Handeln oder Übung, und das Wort thana bedeutet Basis oder Grundlage. Kammatthana ist also die Grundlage des Handelns, oder die Ursache der Entwicklung.

F: Was bedeutet samatha kammathana?

A: Das Wort samatha bedeutet Ruhe oder Frieden des Geistes. Samatha kammatthana bedeutet daher Übung für Geistesruhe oder geistige Entwicklung, die auf Beruhigung aufbaut.

F: Was bedeutet vipassana kammatthana?

A: Die Silbe vi- bedeutet überaus, klar-, oder vielfältig. Das Wort –passana bedeutet sehen, direkte Wahrnehmung und rechte Ansicht der Wirklichkeit.

Vipassana kammatthana ist also die Übung der rechten Ansicht der Wirklichkeit, oder geistige Entwicklung, um ein klares Wissen zu erreichen über die allen Wirklichkeiten zugrundeliegende Wahrheit.

F: Warum gibt es in der Buddhalehre nur zwei Aufgaben zu erfüllen, die Aufgabe, die Lehre zu studieren (ganthadura) und die Aufgabe, Klarblick zu üben (vipassanadhura), aber samatha wird nicht erwähnt?

A: Buddha hat mit äußerster Geduld, Beharrlichkeit und Anstrengung nach der Befreiung von den Leiden der Wiedergeburt im Samsara gesucht – dem Kreislauf von Geburt, Alter, Krankheit und Tod. Er suchte das Mittel, das weltliche Voreingenommenheit (sava) und geistige Trübung (kilesa) auslöschen kann, denn die sind dafür verantwortlich, daß wir weiter in diesem Kreislauf verbleiben.

Zunächst lernte er von zwei namhaften Lehrern, Alara Kalama und Uddaka Ramaputta, bis er ihnen an Wissen ebenbürtig war und die höchsten unkörperlichen Vertiefungen beherrschte. Aber dann wurde ihm klar, daß diese Disziplinen nicht zur vollen Erleuchtung führen, und er suchte weiter auf eigene Faust, bis er die Vier Edlen Wahrheiten entdeckte, die den Geist völlig von allen Eintrübungen befreien. Und so wurde er Buddha, der Erwachte.

Dann verkündete er, daß er die volle Erleuchtung aus eigener Kraft erlangt hatte. In seiner ersten Lehrrede vor den fünf Asketen im Hirschpark von Isipatana, in der Nähe von Benares – dem Ingangsetzen des Rads der Lehre (Dhammacakkappavattana-sutta) – erklärte Buddha den Edlen Achfachen Pfad, den Mittleren Weg, dessen wichtigster Bestandteil rechte Ansicht (sammaditthi) ist. Damit ist die Weisheit (panna) gemeint, welche die Vier Edlen Wahrheiten erkennt. Die Übung des Achtfachen Pfades besteht in der Übung der Klarblickmeditation. Das ist die Aufgabe der praktischen Übung (vipassanadhura).

Was aber nun ganthadhura betrifft, da geht es darum, die Grundlagen der Klarblickmeditation zu studieren, um die Übungsmethode zu verstehen. Den größten Teil seines Lebens verbrachte Buddha damit, den Leuten zu erklären, daß Körper und Geist vergänglich, leidhaft und kein Selbst sind. Solche Lehren gab er denjenigen seiner Schüler, die die Übungsmethode noch nicht verstanden, bis sie selber begriffen hatten. Dann verneigten sich die Schüler vor dem Buddha, zogen sich in die Waldeinsamkeit zurück und übten die Lehre mit voller Entschlossenheit, bis sie die höchsten Stufen der Verwirklichung gewannen. Sie wurden Edle Menschen (ariya puggala) zu Buddhas Lebzeiten.

Samatha kamatthana gab es allerdings schon lange bevor Buddha in der Welt erschien. In jeder Religion gab und gibt es diese Art der Meditation, geübt von den Weisen, Asketen, Einsiedlern und Mönchen dieser Religionen. Nachdem Buddha diese Dinge gründlich studiert und geübt hatte, erkannte er, daß er den Weg zur Überwindung weltlicher Voreingenommenheit noch nicht gefunden hatte.

Vipassana kammatthana ist aber die Übung, die Buddha selbst entdeckt und praktiziert hat. Sie ist nur in der Lehre des Buddha zu finden. Deshalb gibt es in der Buddhalehre nur zwei Aufgaben: Klarblickmeditation zu üben und die Theorie dieser Methode zu studieren.

F: Was ist der Unterschied zwischen samatha kammatthana und vipassana kammatthana?

A: Sie unterscheiden sich in den Objekten der Betrachtung und haben verschiedene Methoden und Ziele. Samatha kammatthana beruht auf vorgestellten Objekten, oder Objekten, die hergestellt werden müssen, wie die zehn Scheiben (kasina) – Objekte, die kreisförmig vorbereitet werden müssen und zum Beispiel die vier Elemente darstellen. Die Übung von samatha kammatthana hat als Ziel die Geistesruhe. Die Methode hängt im Wesentlichen von der Entwicklung der Konzentration auf das Objekt – hier ‘Bild’ genannt – ab, vom ursprünglichen Objekt, dem Vorbereitenden Bild (parikamma nimitta), über das Erworbene Bild (uggaha nimitta) bis zur Erlangung des Abstrakten Bildes (patibhaga nimitta). Durch die Übung werden die fünf Vertiefungsglieder entwickelt – anfängliche und fortgesetzte Auffassung, Freude, Glücksgefühl und Objektausrichtung – und wenn sie die nötige Stärke erreicht haben, tritt man in die erste Vertiefung (jhana) ein, die erste der feinkörperlichen Bewußtseinsebenen.

Die Objekte der Klarblickmeditation, andererseits, sind die fünf Anhäufungen (pancakkhandha ) von Körper (rupa) und Geist (nama). Das Ziel der Klarblickübung ist die Verinnerlichung der höchsten Qualitäten der Lehre und damit der Eintritt in die vier Ebenen der Edlen: Stromeintritt, Einmalwiederkehr, Niewiederkehr und Heiligkeit. Auf dieser höchsten Ebene ist die Notwendigkeit beseitigt, immer wieder zurückzukommen, um Geburt und Tod zu durchlaufen. Die Einzelheiten dieser Übung werden in den folgenden Kapiteln erklärt werden.

F: Müssen wir die Richtlinien der Klarblickmeditation erst kennen, bevor wir mit der Übung beginnen können?

A: Wir sollten zumindest die Grundbegriffe oder den Kern der Lehre kennen: Die Vier Edlen Wahrheiten, oder die zwei Wege der Wahrheit – den Weg des Leidens und den Weg der Aufhebung des Leidens.

Der Weg, der zum Leiden führt, ist Begierde (tanha), das Verlangen nach weltlichen Objekten – also Formen und Farben, Geräuschen, Düften, Geschmäcken, und Berührungen, sowie feinkörperlichen Objekten und Geisteszuständen. Das Verlangen führt zum Anhaften an weltlichen Objekten, die Geburt, Alter, Krankheit und Tod mit sich bringen und uns hineinziehen in den Strudel des unaufhörlichen Wechsels.

Der Weg der Aufhebung des Leidens, das ist der Achtfache Pfad, der Mittlere Weg, der in der Erkenntnis der Wirklichkeit besteht, zur Gewinnung des Edlen Pfades und seiner Frucht führt, und in Nibbana mündet. Dies ist der Weg, die Eintrübungen des Geistes (asava-kilesa) vollständig aufzulösen. Es ist der Weg derer, die ein religiöses Leben (brahmachariya) führen, der Weg der Geläuterten. Es ist der Weg des Entkommens aus dem ständigen Geborenwerden und Sterben im Kreislauf des Samsara, indem man die Wahrheit selbst erfährt, daß Leiden (dukkha) erkannt werden muß, daß die Ursache (samudaya) beseitigt werden muß, daß das Verlöschen (nirodha) verwirklicht und der Pfad (magga) entwickelt werden muß.

F: Besteht für den Meditierenden, der diese Methode übt, irgendeine Gefahr?

A: Die Übung kann gefährlich werden, wenn der Übende die Richtlinien der Klarblickmeditation noch nicht richtig versteht, oder wenn man anhand von Büchern meditiert und sich ein eigenes Verständnis zurechtlegt. Wenn man ohne die Führung eines qualifizierten Lehrers üben muß, der beständig auf den rechten Weg hinweist, und im Laufe der Übung tauchen meditative Phänomene (sabhavadhamma) auf, dann glauben manche, sie hätten einen Durchbruch erreicht und die Erleuchtung erfahren. Einige Übende entwickeln eine Vorliebe für bestimmte geistige Wahrnehmungen (nimitta), Lichterscheinungen, Bilder oder plastische Vorstellungen. Das kann bis zur Besessenheit gehen. So etwas ist allerdings eher in der Sammlungsübung anzutreffen. Da arbeitet man ja mit vorgestellten Objekten (kasina), man konzentriert sich auf geistige Bilder mit Verblendung, d. h. man erkennt nicht die wahre Natur der Sinneserfahrung. Wenn sich das Objekt, auf dem die Konzentration beruht, plötzlich verändert, oder ein erschreckendes Bild taucht plötzlich auf, kann es passieren, daß man die Kontrolle verliert und durchdreht.

Aber die Klarblickmeditation besteht darin, daß man in jedem Moment des Ausatmens und Einatmens die Achtsamkeit anwendet. Durch die Übung werden Weisheit (panna) und klare Auffassung (sampajanna), sowie Anstrengung (viriya) entwickelt. Diese drei Geisteskräfte arbeiten zusammen in der Bemühung, das gegenwärtige Objekt in jedem Moment zu noten. Wann immer ein Objekt auftaucht, seien Sie sich nur dieses Objektes bewußt, wie es wirklich ist. Dann lassen Sie dieses Objekt von Moment zu Moment los, denn alles, was in unserer Erfahrung auftaucht, muß auch auf natürliche Weise wieder vergehen. Egal, welche besonderen Eigenschaften oder Merkmale das Objekt hat, es taucht auf und verschwindet dann wieder. Es ist die Edle Wahrheit des Leidens (dukkha ariyasacca), die da entsteht und vergeht. Dieser Vorgang ist schwer zu ertragen, er ist leidhaft. Wenn die Übenden dies nur verstehen können, dann birgt die Übung der Klarblickmeditation keine Gefahr. Im Gegenteil, sie wird uns zu Menschen mit höherer Bewußtheit und Erkenntniskraft machen.

F: Manche Leute sagen, wer meditiert, verliert den Anschluß, macht keinen Fortschritt mehr in der Welt, wird stur und altmodisch, ist jedenfalls nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Was sagen Sie dazu?

A: Jeder, der in diese Welt geboren ist, muß ein Ziel im Leben haben. Er sollte wissen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Um sein Leben zu entwickeln und ein Mensch von höchster Tugend zu werden, was muß man da tun? Ob ein Mensch gut oder schlecht ist, hängt von seinem eigenen Geist ab. Das können wir selber nachprüfen. Dann sind wir immer auf der Höhe der Zeit.

Wir leben im Zeitalter der Naturwissenschaft. Wir benutzen Technologie, Computer und Atomenergie zur Untersuchung, Erforschung und Ausbeutung der materiellen Welt und wir verfolgen damit materielle Zwecke. Wir setzen unseren Geist ein, um nach solchem Wissen zu suchen, und wir konkurrieren in der Erzeugung materieller Dinge. Kurz gesagt: Wir sind Materialisten. Das nennen wir dann Fortschritt. Es ist aber nur weltliches Wissen. Wenn wir es richtig einsetzen, auf friedliche Weise verwenden, dann wird es der ganzen Menschheit zugute kommen. Nutzen wir dieses Wissen aber mit Gier, Haß und Verblendung (lobha, dosa, moha), dann wird das Ergebnis unweigerlich die Vernichtung der Menschheit sein. Es wird alles in der Welt zerstören. Und dann wird keine Entschuldigung und keine Ausrede mehr gelten für die, die sagen: “Ich bin ein Pionier, ich bin Wissenschaftler,” oder: “Ich bin auf der Höhe der Zeit.” Ist das nun Gewieftheit oder ist das nicht viel mehr Dummheit in den Herzen derjenigen, die vom Materialismus in die Irre geleitet werden, bis sie vergessen, daß das Wichtigste im Leben Dhamma ist. Dhamma, das ist die Natur, die ist immer auf der Höhe der Zeit!

Wer Dhamma studiert und praktiziert, Dhamma selbst erforscht und sich von der Wahrheit überzeugt, Dhamma analysiert und für das praktische Leben nutzt, der benutzt Dhamma, um Verlangen und übersteigerte Begierden, Ärger, Neid und Verblendung zu kontrollieren, die ihn dem Alkohol und dem Rauschgift in die Arme treiben. Wenn unser Geist nicht mehr getrübt ist von den Eintrübungen des Herzens, dann ist dieser Geist klar und ruhig, und er kennt die Wirklichkeit der Natur wie sie wirklich ist.

Dann wird das Leben erfüllt sein von wahrem Glück. So jemand kennt die Gesetzmäßigkeiten der weltlichen Prozesse wie auch die Prinzipien des Dhamma, und er wird dieses Wissen beim Studium und bei der Führung seines Geschäfts anwenden, um Fortschritt und Wohlstand in der Zukunft zu gewährleisten, und er wird darin besser sein als jemand, der sich nicht für Dhamma und für das Funktionieren seines eigenen Geistes interessiert, der nichts über den Zusammenhang zwischen den geistigen Eintrübungen, den Taten und deren Wirkungen (kilesa, kamma, vipaka) weiß und nicht versteht, daß die Vier Edlen Wahrheiten, der Achtfache Pfad, die Vier Grundlagen der Achtsamkeit – daß dies die Lehren sind, die unsere Probleme lösen können, die Lehren, die zum Aufhören des geistigen Leidens im Leben führen, die Lehren, die wir benutzen können, um den Geist von der niedrigen Stufe eines Weltlings (puthujjana) zu der hohen Gesinnung eines Edlen (ariya puggala) zu entwickeln.

Auch in unserer modernen Zeit gilt die Herausforderung für jeden von uns, selber heranzukommen an die Wirklichkeit und sich zu überzeugen, wie sie ist ohne die Begrenztheit der zeitlichen Endlosigkeit, und jemand, der das in der Praxis nachprüft: Der weiß es aus eigener Erfahrung! So jemand ist besser als die, die nichts wissen wollen von der Lehre und sie nicht üben. Das sind doch in Wahrheit die Zurückgebliebenen, die nicht mit der Zeit gehen, wie vorgeschichtliche Fossilien.

F: Was sind die vier förderlichen Hilfsmittel (sappaya) für Meditierende?

A: Zur Zeit Buddhas sollten die Meditierenden folgende vier günstige Bedingungen für die Übung aufsuchen:

1.     Geeigneter Wohnplatz, der Ruhe förderlich, ungestört durch Lärm, zum Beispiel im Wald, im Wurzelbereich eines Baumes, ein leeres Haus oder Zimmer.

2.     Gesundes Essen, das leicht zu bekommen ist. Für Mönche heißt das: Die Almosenrunde sollte zu Dörfern nicht allzu weit weg führen, und man sollte dort genug Essen bekommen.

3.     Ein guter Mensch, ein spiritueller Freund, ein Meditationslehrer, der den Übenden immer gemäß dem Mittleren Weg anleitet.

4.     Angepaßte Methode, das heißt, eine Meditationsübung (kammatthana), die der Veranlagung des Meditierenden angepaßt ist, sodaß weder Anspannung noch Entspannung sich zu stark entwickeln. Es ist die Methode, die dem Übenden rasch Ergebnisse bringt, wie es sich gehört.

In der heutigen Zeit sollten wir nach einem Meditationszentrum Ausschau halten, wo Klarblickmeditation gelehrt wird und die vier förderlichen Bedingungen, wie beschrieben, vorhanden sind, das heißt angenehme Unterbringung, Essen ist leicht zu bekommen und angemessen, es gibt einen Vipassana Lehrer, der auf dem Gebiet der Klarblickmeditation Erfahrung hat, und die Methode ist auf den Meditierenden abgestimmt.

Gegenwärtig ist das Allerwichtigste nur der Meditationslehrer. Er sollte sorgfältig analysieren und unterweisen, denn es ist für uns Heutige schwierig, so gute Lehren zu finden wie es sie in Buddhas Zeit gab.

F: Wie soll einer vorgehen, der noch nie meditiert hat?

A: Der erste Schritt ist, daß man mehr über das Thema Klarblickmeditation lernt, damit man rechtes Verständnis der Methode hat, bevor man mit der Übung beginnt. Aber wenn man das aus irgendwelchen Gründen nicht kann, oder man hat das Thema bereits studiert, versteht es aber doch noch nicht richtig, dann sollte man zu einem Klarblicklehrer in ein Meditationszentrum gehen und dort um Aufnahme für die Übung bitten. Selbst wenn jemand schon viele Bücher gründlich studiert hat, ist es dennoch notwendig, die Anleitung eines Meditationslehrers zu haben, der einem die korrekte Übung klarmacht, denn vom Schriftenstudium (pariyatti) kennen wir ja nur die geschriebenen Worte, während man in der praktischen Übung (patipatti) persönlich Bekanntschaft mit den natürlichen Phänomenen (sabhavadhamma) macht, wie sie wirklich sind. Und da gibt es Unterschiede je nach der individuellen Entwicklung der verschiedenen Menschen, ihre Fähigkeiten und Veranlagungen, ihre Stimmungen und Gefühle und die Ansammlung des kamma sind nie gleich. Dann gibt es Phänomene, die erst im Laufe der Klarblickübung entstehen, zum Beispiel Konzentration, Begeisterung, Ruhe, Gleichmut (samadhi, piti, passaddhi, upekkha). Manche dieser Phänomene sind in den Schriften nicht erwähnt. Deshalb ist das Wichtigste, einen Meditationslehrer zu haben, der theoretisches Wissen sowie praktische Erfahrung hat.

TEIL 1

DIE ÜBUNG

Die Übung der Klarblickmeditation (vipassana kammatthana) besteht in der Entwicklung der Vier Grundlagen der Achtsamkeit (satipatthana) –

1.     Betrachtung des Körpers (kayanupassana)

Achtsamkeit (sati) betrachtet den Körper

(kaya) im Körper, wie er wirklich ist.

1.     Betrachtung der Empfindungen (vedana-

nupassana) – Achtsamkeit betrachtet die Empfindungen

(vedana) in den Empfindungen, wie

sie wirklich sind.

2.     Betrachtung der Geisteszustände

(cittanupassana) – Achtsamkeit betrachtet die

Geisteszustände (citta) in den Geisteszuständen,

wie sie wirklich sind.

3.     Betrachtung der Geistesdinge

(dhammanupassana) – Achtsamkeit betrachtet die

Geistesdinge (dhamma) in den Geistesdingen, wie

sie wirklich sind.

Die vier Grundlagen der Achtsamkeit umfassen alle Objekte, die in unserer Erfahrung auftauchen. Das bedeutet: der Körper, die Empfindungen, die Geisteszustände und die Geistesdinge – also die vier Grundlagen der Achtsamkeit – sind unmittelbar hier in unserer Erfahrung, und um ihre wahre Natur zu entdecken, müssen wir die Achtsamkeit anwenden. Lassen Sie mich die Bereiche dieser vier Grundlagen noch deutlicher machen, damit sie leichter zu üben sind. Buddha hat erklärt, daß die Ebene, auf der menschliche Wesen – ja, fühlende Wesen ganz allgemein – wirklich existieren, die fünf Anhäufungen des Anhaftens (upadanakkhandha) sind.

Mit anderen Worten: Wir bestehen aus fünf verschiedenen Arten natürlicher Phänomene, die sich mischen und verbinden zu komplexen Formen und Erscheinungen, für die wir Namen erfinden und sagen: “Dies ist ein menschliches Wesen, eine Frau, ein Mann, dies ist ein Tier, ein Baum, usw.”

Die fünf Anhäufungen (khandha) sind im Einzelnen –

1.     Die Anhäufung des Körperlichen (rupakkhandha).

Die Anhäufung des Körperlichen umfaßt zunächst die vier

Grundelemente der Materie (mahabhutarupa):

1.     das Element der Raumverdrängung (pathavi – Erde).

2.     das Element des Zusammenhalts (apo Wasser).

3.     das Element der Temperatur (tejo – Feuer).

4.     das Element der Bewegung (vajo – Wind).

Außerdem gehören zur Anhäufung des Körperlichen feinstoffliche Elemente, oder sekundäre materielle Phänomene, wie Farbe, Geruch, Geschmack, Nährfähigkeit, organisches Leben, die Sensitivität der Sinne für ihre jeweiligen Objekte und andere materielle Phänomene, die auf den vier Grundelementen aufbauen.

2. Die Anhäufung der Empfindungen (vedanakkhandha). Die Sinnesempfindungen, oder Gefühle, haben die Aufgabe, die Objekte als angenehm, unangenehm oder neutral zu erleben.

3. Die Anhäufung der Wahrnehmungen (sannakkhandha). Wahrnehmung hat die Funktion, die Objekte der vier Grundlagen der Achtsamkeit – also Formen und Farben, Klänge, Düfte, Geschmäcke, Berührungen und geistige Objekte – zu erkennen und diese Informationen im Gedächtnis abzulegen. Erinnerung ist eine weitere Funktion der Wahrnehmung.

4. Die Anhäufung der Gebilde (sankharakkhandha). Hierbei handelt es sich um die Geisteskräfte (cetasika), die das Bewußtsein begleiten. Die heilsamen (kusala) Geisteskräfte machen den Geist verdienstvoll, oder gut. Die unheilsamen (akusala) Geisteskräfte machen den Geist verdienstlos, oder schlecht. Die erhabenen Geisteskräfte (abhayakata), hingegen, machen den Geist gefestigt und losgelöst. Diese drei Gruppen von Geisteskräften stehen hinter den Geistestätigkeiten. Je nachdem, wie stark sie auftreten, können sie Gedanken, Sprache oder körperliche Handlungen verursachen.

5. Die Anhäufung des Bewußtseins (vinnanakkhandha). Die Anhäufung des Bewußtseins hat die Funktion, die Objekte der sechs Sinnestore – der Augen und Ohren, der Nase und Zunge, des Tastsinns und des Geistes – aufzufassen und ihrer bewußt zu sein. Zu dieser Anhäufung gehören auch das Wiedergeburtsbewußtsein (patisandhi) und die unbewußte Lebensgrundlage (bhavanga).

  • Die Betrachtung des Körpers hat als Objekt die Anhäufung des Körperlichen.
  • Die Betrachtung der Empfindungen hat als Objekt die Anhäufung der Empfindungen.
  • Die Betrachtung der Geisteszustände hat als Objekt die Anhäufung des Bewußtseins.
  • Die Betrachtung der Geistesdinge hat als Objekt die Anhäufungen der Wahrnehmung und der Gebilde.

In der Praktischen Übung werden die fünf Anhäufungen zusammengefaßt zu nur zwei Kategorien: Körper (rupa) und Geist (nama). Die Anhäufung des Körperlichen nennen wir Körper (rupa), die Anhäufungen der Empfindungen, der Wahrnehmung, der Gebilde und des Bewußtseins werden zusammengefaßt unter dem Begriff Geist (nama).

Zum besseren Verständnis sei es noch einmal betont: Die Objekte der Klarblickmeditation lassen sich am einfachsten in nur zwei Kategorien einteilen – Körper und Geist.

Was die Natur betrifft, die dieses Spektrum von Objekten bewußt erlebt, das ist der Geist, der begleitet wird von Anstrengung (viriya), klarer Auffassung (sampajanna), Konzentration (samadhi) und Achtsamkeit (sati).

Prägnant formuliert könnte man sagen: Alle natürlichen Phänomene gipfeln in, und werden zusammengefaßt von der Achtsamkeit. Deshalb soll man Achtsamkeit anwenden, um den gegenwärtigen Moment zu betrachten, das gegenwärtige Objekt.

Achtsamkeit ist vergleichbar mit dem Fußabdruck eine Elefanten: Die Spuren kleinerer Tiere werden alle vom Fußabdruck eines Elefanten überdeckt. Wenn Achtsamkeit in der Gegenwart nicht aktiv ist, können andere heilsame Geisteskräfte auch nicht entstehen. Aber wenn Achtsamkeit auftaucht, kommen nur die heilsamen Kräfte mit zur Entstehung. Deswegen hat Buddha immer zur systematischen Übung der vier Grundlagen der Achtsamkeit ermuntert.

Wenn man versteht, was die Objekte der Klarblickmeditation sind, und wer das Subjekt ist, das diese Objekte bewußt erlebt, dann kann man die Übung damit beginnen, Achtsamkeit auf die vier primären Körperhaltungen zu richten: Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen.

 

Sitzmeditation

Während der Sitzmeditation sitzt man mit gekreuzten Beinen und aufrechtem Körper, der rechte Fuß liegt auf dem linken Bein und die rechte Hand über der linken, Handflächen weisen nach oben. Augen und Lippen bleiben geschlossen, die Zähne berühren sich aber nicht, während die Zunge hinter den oberen Zähnen gegen den Gaumen gelegt wird. Rufen Sie nun die Achtsamkeit wach, um sich auf das zu betrachtende Objekt zu richten. Dann betrachten Sie den Körper im Körper. Das Hauptobjekt, das betrachtet werden soll, ist das Heben und Senken der Bauchdecke. Wenn sich die Bauchdecke hebt, stellen Sie innerlich fest: ‘heben.’ Wenn sich die Bauchdecke senkt, stellen sie innerlich fest: ‘senken.’ Dann machen Sie einfach kontinuierlich weiter: ‘heben – senken – heben – senken…’.

F: Wie soll man die Achtsamkeit wachrufen?

A: Der Übende soll sich geistig wohlfühlen und unbesorgt sein, nicht zu ernsthaft oder erwartungsvoll, denn die Phänomene, die da auftauchen, müssen allesamt wieder wegfallen. Es ist ein Merkmal der Natur, daß alles, was natürlich entsteht, auch wieder vergeht. Man soll nur die Achtsamkeit fest auf das Objekt gerade vor sich richten und es sehen, wie es wirklich ist: es entsteht und vergeht. Man sollte an gar nichts anhaften, sondern den Geist neutral und ruhig halten. Das nennt man die Übung des Mittleren Weges: nicht anzuhaften an guten Objekten oder an schlechten Objekten, nicht anzuhaften an Objekten, die ein angenehmes oder ein unangenehmes Gefühl hervorrufen. Wenn die Achtsamkeit so wachgerufen wird, daß sie bewußt das gegenwärtige Objekt betrachtet, sieht, wie es wirklich ist, und es dann losläßt, dann ist die Achtsamkeit richtig wachgerufen.

F: Wieviel Zeit soll man einsetzen für die Entwicklung der Achtsamkeit?

A: Das hängt von den Kräften des Übenden ab. Ein Kind im Alter von 7 – 10 Jahen sollte nur 10 Minuten üben. Heranwachsende von 10 – 15 Jahren sollten 20 Minuten üben. Ab 15 Jahren Alter und bei guter Gesundheit sollte man mit 30 Minuten beginnen.

Wenn der Übende Energie, Achtsamkeit und Konzentration (viriya, sati, samadhi) entwickelt hat, sollte man langsam die Zeit erhöhen. Man soll sie nicht zu schnell erhöhen: von 30 auf 40 Minuten, dann von 40 auf 50 Minuten, und dann von 50 auf 60 Minuten. Wer neu in der Meditation ist, sollte nicht länger als eine Stunde sitzen. Man muß zuerst lernen, die in der Meditation zum Einsatz kommenden Geisteskräfte ins Gleichgewicht zu bringen und dieses zu bewahren, bevor man länger als eine Stunde sitzt.

F: Manchmal ist der Geist nicht ruhig, man denkt oder hängt Überlegungen nach. Das ist frustrierend. Was soll man dann tun?

A: Wenn es nur Denken ist, stellen Sie einfach fest: ‘denken, denken.’ Sind es Überlegungen, so noten Sie ‘überlegen, überlegen.’ Wenn der Geist vom einen zum anderen wandert, noten Sie ‘wandern, wandern,’ und wenn sie wegen des wandernden Geistes frustriert werden, bemerken Sie: ‘frustriert, frustriert.’ Die Worte sollten nur gedacht werden. Achten Sie darauf, daß die Lippen, Zunge, Kiefer oder Kehlkopf sich nicht mitbewegen. Das Benennen des Objekts hat den Sinn, sich zu vergewissern, daß man auch wirklich auf das gegenwärtige Objekt achtet. Wenn man nicht benennt, kann es leicht passieren, daß die Aufmerksamkeit abschweift, ohne daß man es merkt. Notet man aber, dann fällt es schneller auf, wenn man abschweift, weil man dann aufhört zu noten. Die Worte sind aber nicht die Objekte der Betrachtung; die Aufmerksamkeit muß auf die besonderen Merkmale des Objektes gerichtet werden, das man gerade notet. Im allgemeinen wiederholt man das Wort einmal. Die erste Bemerkung soll die Aufmerksamkeit auf das Objekt lenken, und die zweite sorgt dafür, daß man eine neutrale Haltung bewahrt. Man kann aber auch öfter noten. Der Geist soll während der Meditation kontinuierlich und in einem Tempo das gegenwärtige Objekt noten, etwa einmal pro Sekunde.

F: Manchmal ist der Geist irritiert, besorgt, entmutigt, gelangweilt, lustlos, schläfrig oder Ähnliches. Wie soll man damit umgehen, oder wie soll man das betrachten?

A: Noten Sie ganz einfach das geistige Objekt, das da im Geist aufgetaucht ist: ‘irritiert, irritiert,’ besorgt, besorgt,’ ‘entmutigt…’, ‘gelangweilt…’, ‘lustlos…’, ‘schläfrig…’, ‘träumen, träumen…’. Sie können natürlich auch Substantive nehmen: ‘Sorge, Sorge’, ‘Zweifel, Zweifel,’ und so weiter. Legen Sie sich auf ein Wort fest, das für Sie am klarsten das Objekt repräsentiert und bleiben Sie dann dabei.

F: Wie soll man äußere Objekte noten, die auftauchen?

A: Wenn Objekte durch das Auge auftauchen, noten Sie: ‘sehen, sehen. Wenn ein Geräusch auftritt, noten Sie ‘hören, hören.’ Taucht ein Geruch auf, noten Sie: riechen, riechen.’ Wenn ein Geschmack auftaucht, noten Sie: ‘schmecken, schmecken.’ Hören Sie zum Beispiel einen Hund bellen, so noten Sie nicht ‘Hund, Hund,’ sondern: ‘hören, hören,’ während die Achtsamkeit auf das Ohr gerichtet ist und dort beobachtet, wie der Kontakt des Sinnesorgans mit dem Objekt – dem Geräusch – das Hörbewußtsein hervorruft.

Wenn Sie einen körperlichen Eindruck von Kühle oder Wärme, Weichheit oder Härte spüren, so benennen sie das Objekt nach seiner besonderen Eigenschaft: ‘kühl, kühl,’ ‘warm, warm,’ ‘weich, weich,’ ‘hart, hart. Taucht ein Objekt im Geist auf, dann noten Sie je nach der Wahrnehmung alssehen, sehen,’ ‘erinnern, erinnern,’ ‘denken, denken,’ ‘vorstellen,’ ‘planen,’ und dergleichen, was gerade aufgetaucht ist.

F: Wenn man lange sitzt, können Schmerzen in den Knien, in den Beinen, oder im Rücken auftauchen. Wie soll man diese Empfindungen betrachten?

A: Gehen Sie mit der Achtsamkeit an die Stelle, wo Sie die Empfindung erleben, und seien Sie sich dieses Objekts bewußt. Dann noten Sie es: ‘Schmerz, Schmerz.’ Empfinden Sie ein Stechen, dann benennen Sie es: ‘stechen, stechen.’ Ist die Empfindung taub, noten Sie: ‘taub, taub. ’ Wenn die Empfindung verschwindet, gehen Sie mit der Achtsamkeit wieder zur Bauchdecke und noten weiter ‘Heben und ‘Senken.’

F: Wenn die Empfindung aber nicht verschwindet, nachdem man sie genotet hat, was soll man dann tun?

A: Bei der Betrachtung von körperlich unangenehmen Empfindungen (dukkhavedana) wie z. B. dumpfem oder stechendem Schmerz, Taubheit, Ziehen, Ermüdung, werden Sie, solange die Konzentration gut ist, ohne Schwierigkeiten noten können, daß da eine Empfindung von dumpfen oder stechenden Schmerz, von Taubheit, Ziehen oder Ermüdung ist, und Sie können das Entstehen und Vergehen der unangenehmen Empfindung deutlich sehen. Oft verschwinden solche Empfindungen von selbst, wenn man sie eine Weile beständig und ohne innere Verkrampfung genotet hat. Wenn man die Empfindung aber schon eine Weile genotet hat, und sie ist noch nicht verschwunden, dann liegt das daran, daß sie besonders stark ist. Manchmal halten uns Geist-und-Körper (nama-rupa) auch das Merkmal der Leidhaftigkeit (dukkha) deutlich vor Augen, damit Weisheit (panna) die drei allgemeinen Merkmale – Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit, Selbstlosigkeit (anicca, dukkha, anatta) – besser erkennen kann. In diesem Fall ist das schmerzhafte Gefühl außergewöhnlich stark. Wenn man es nicht aushalten kann, dann sollte man eine kleine Bewegung machen, oder die Sitzhaltung verändern, damit der Schmerz aufhört. Aber vergessen Sie nicht, achtsam den Wunsch, sich zu bewegen, zu noten: ‘Absicht, Absicht. Und wenn Sie die Hände, die Arme, die Beine bewegen, tun Sie es langsam und mit voller Aufmerksamkeit und noten Sie alle einzelnen Bewegungen entsprechend: ‘lösen’, ‘bewegen…’, ‘berühren…’, ‘anheben…’, ‘ausstrecken…’, ‘ablegen…’, ‘zurückziehen.’ Läßt der Schmerz nach, dann notet man wieder Heben und Senken der Bauchdecke.

F: Wenn man schmerzhafte Gefühle notet, muß man damit weitermachen, bis dieses Objekt verschwindet, oder kann man statt dessen andere Objekte noten?

A: Es gibt zwei Arten körperlich unangenehmer Gefühle (dukkha-vedana). Eine Art ist starker nötigender Schmerz. Da muß man etwas unternehmen. Dann gibt es körperliche Schmerzen, die nicht behoben werden müssen. Wir sollten auf die nötigenden Schmerzen achtgeben, zum Beispiel den Drang, Urin oder Stuhl auszuscheiden. Das sind Schmerzen die man nur begrenzt unterdrücken kann. Sie werden nicht durch das Noten weggehen. Manchmal entsteht auch ein heftiger Schmerz im Körper. Der Übende quittiert ihn achtsam, aber der Schmerz wächst weiter und weiter an. Wenn der Übende schon genug Erfahrung im Anschauen von schmerzhaften Gefühlen hat, dann wird er es aushalten können. Anfänger in der Meditation halten das aber nicht aus. Sie werden mürbe. Dann sollten sie langsam die Sitzhaltung ändern, wobei jedes Detail des Bewegungsablaufs sorgfältig beachtet werden muß.

Die körperlich unangenehmen Empfindungen, die nicht behoben werden müssen, sind nur geringfügige Schmerzen, die auftauchen und verschwinden. Wenn sie nicht gewaltig sind, ist es nicht nötig, die Haltung zu ändern oder sich irgendwie zu bewegen. Richten Sie nur die Achtsamkeit auf dieses Objekt und stellen Sie fest, was wirklich da ist: Schmerzhaftes Gefühl, das auf natürliche Weise entsteht und vergeht. Sogar das Phänomen des Schmerzes ist nicht kompakt, es dauert nicht. Es ist vergänglich, bedrückend, und entbehrt einer eigenen Existenz, genauso wie die köperlichen (rupa) Phänomene. Das Gleiche gilt auch für alle anderen geistigen (nama</